Auswahlverfahren im Hebammenstudium: Gespräch, MMI, Test

Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Heller Raum für Auswahlgespräche mit Rundtisch

Im Hebammenstudium wählt an den meisten Studienorten die Klinik aus, und zwar nach Bewerbungsunterlagen und einem Gespräch. Einen schriftlichen Auswahltest gibt es nur in Hamburg (HAM-Mid) und Freiburg (Studierfähigkeitstest). Würzburg arbeitet mit Multiple Mini Interviews, Münster, die MHH und Tübingen wählen allein nach Note und Bonuspunkten.

Das Auswahlverfahren im Hebammenstudium ist deshalb kein einheitliches Verfahren, auf das man sich einmal vorbereitet. Es sind fast so viele Verfahren, wie es Kliniken gibt – jede Klinik regelt ihr eigenes. Wer sich bei drei Häusern bewirbt, durchläuft unter Umständen drei verschiedene Gespräche.

Wer im Hebammenstudium auswählt

Das liegt am dualen Aufbau. Neben dem Studienplatz brauchst Du einen Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung mit einer verantwortlichen Praxiseinrichtung, also einem Krankenhaus, das den praktischen Teil Deines Studiums verantwortet. Wie Hochschule und Klinik die Auswahl untereinander aufteilen, sollen sie in ihrer Kooperationsvereinbarung regeln (§ 5 Abs. 2 Nr. 1 HebStPrV).

In der Praxis heißt das: An 31 von 47 Studiengängen bewirbst Du Dich zuerst bei der Klinik, und die Klinik entscheidet. Die Hochschule prüft danach meist nur noch, ob Du die Voraussetzungen erfüllst. Die Hochschule Bochum schreibt es offen: Eine Auswahl durch die Hochschule erfolgt dort nicht mehr. An 13 Studiengängen ist es umgekehrt, dort vergibt die Hochschule die Plätze, und der Klinikvertrag folgt. Welcher der fünf Bewerbungswege wo gilt, erklärt der Ratgeber zur Bewerbung fürs Hebammenstudium.

Für Dich folgt daraus eine einfache Regel. Schau bei jedem Studienort nach, wer auswählt, bevor Du Dich auf ein Verfahren einstellst.

Auswahlverfahren je Studienort
StudienortWer wählt ausVerfahren
Universität FreiburgHochschuleschriftlicher Test, Multiple Mini Interviews, Punktesystem
Hochschule FurtwangenHochschule und KlinikNote, Bewerbungsunterlagen
DHBW HeidenheimKlinik
DHBW KarlsruheKlinik
DHBW StuttgartKlinik
Universität TübingenHochschuleNote, Bewerbungsunterlagen
TH AschaffenburgKlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
Universität AugsburgKlinikNote, Gespräch bei der Klinik
Hochschule Coburg in BambergKlinikGespräch bei der Klinik
FAU Erlangen-NürnbergKlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
Hochschule LandshutHochschule und KlinikNote, Gespräch bei der Klinik
KSH MünchenHochschulePunktesystem, Note, Gespräch an der Hochschule
TH NürnbergKlinik
OTH RegensburgKlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
Universität WürzburgHochschule und KlinikNote, Multiple Mini Interviews
Charité BerlinHochschulePunktesystem, Note, Wartezeit
Evangelische Hochschule BerlinKlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
HGE EberswaldeHochschule und KlinikGespräch an der Hochschule
BTU Cottbus-SenftenbergPraxiszentrumGespräch bei der Klinik
Hochschule BremenHochschuleNote
HAW Hamburg und UKEAuswahltestzentraleschriftlicher Test, Multiple Mini Interviews
Frankfurt UAS und Goethe-UniversitätKlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
JLU Gießen und THMKlinikGespräch bei der Klinik
HAWK und Universitätsmedizin GöttingenKlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
FHM HannoverKlinikBewerbungsunterlagen
Medizinische Hochschule HannoverHochschuleNote, Wartezeit
Jade Hochschule, OldenburgKlinikBewerbungsunterlagen
Hochschule OsnabrückKlinikBewerbungsunterlagen
RWTH AachenPraxiszentrumBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
Hochschule Bielefeld (HSBI)PraxiszentrumBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
Hochschule Bochum (Gesundheitscampus)KlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
Universität BonnHochschule und KlinikBewerbungsunterlagen
Fliedner Fachhochschule DüsseldorfHochschuleGespräch an der Hochschule
katho NRW, KölnHochschuleBewerbungsunterlagen
Universität zu KölnHochschulePunktesystem, Gespräch an der Hochschule
Hochschule Niederrhein, KrefeldKlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik
Universität MünsterHochschuleNote, Wartezeit
HWG LudwigshafenKlinikBewerbungsunterlagen
Universität MainzKlinikBewerbungsunterlagen
TU DresdenHochschule und KlinikBewerbungsunterlagen, Gespräch bei der Klinik, Note, Wartezeit
Universität LeipzigKlinikBewerbungsunterlagen
Universität Halle-WittenbergHochschulePunktesystem, Note, Wartezeit
Universität zu LübeckKlinikGespräch bei der Klinik

Die fünf Arten der Auswahl

Verfahren Wo es vorkommt (Beispiele) Wer entscheidet
Unterlagen und Gespräch bei der Klinik HS Bochum, HAWK/UMG Göttingen, FAU Erlangen, Uni Augsburg, EHB Berlin, JLU/THM Gießen, Uni Lübeck Klinik bzw. Praxiszentrum
Punkte oder Note, danach Gespräch an der Hochschule Universität zu Köln, KSH München, Fliedner FH Hochschule
Note und Bonuspunkte ohne Gespräch Münster, MHH, Tübingen, Charité, MLU Halle-Wittenberg Hochschule
Multiple Mini Interviews Würzburg, Hamburg (zweite Stufe) Klinik und Hochschule gemeinsam bzw. Auswahltestzentrale
Schriftlicher Test Hamburg (HAM-Mid), Freiburg (Studierfähigkeitstest) Auswahltestzentrale bzw. Hochschule

Viele Kliniken veröffentlichen ihre Kriterien nicht. Die DHBW-Standorte etwa nennen nur, dass die Partnerkliniken selbst auswählen. Fehlt eine Angabe auf der Studienortseite, ist sie online nicht zu finden.

Schriftliche Tests: nur Hamburg und Freiburg

In Hamburg schreiben alle Angemeldeten den Multiple-Choice-Test HAM-Mid mit figuralen Matrizen, Rechnen, Biologie und Fragen zu vorab verteilten Fachtexten. Die besten 150 kommen in die zweite Stufe. Die Note des Schulabschlusses zählt dort seit 2025 nicht mehr. Ablauf, Punkteschema und offizielle Lernmaterialien stehen im Artikel zum Hamburger Auswahltest HAM-Mid.

Freiburg verlangt vor der Bewerbung einen fachspezifischen Studierfähigkeitstest. Er hat einen schriftlichen Teil (Multiple Choice, 90 Minuten, höchstens 60 Punkte) und einen mündlich-praktischen Parcours mit vier Stationen, an denen ein Interview oder ein Rollenspiel wartet (höchstens 60 Punkte). Bestanden hat, wer insgesamt 60 Punkte und in jedem Teil mindestens 30 erreicht. Gefragt wird nach Motivation, Empathie, Kommunikation und Wissen über den Hebammenberuf, nicht nach Schulbiologie. Die Bescheinigung gilt drei Studienjahre, eine Wiederholung ist erlaubt.

Für das Wintersemester 2027/28 liegen die Freiburger Termine am 29. Oktober 2026 und im Frühjahr 2027; die Anmeldung für den Herbsttermin lief bis 5. Oktober 2026. Wer jetzt erst einsteigt, plant also mit dem Frühjahrstermin, dessen Anmeldefrist die Universität noch veröffentlicht. Zusätzlich brauchst Du dort mindestens vier Wochen praktische Vorerfahrung vor der Bewerbung. Die Abiturnote spielt in Freiburg keine Rolle: Die Rangliste ergibt sich aus Testpunkten und Punkten für die Vorerfahrung.

Ein dritter Test ist angekündigt. Die Hochschule Furtwangen nennt für ihr Verfahren „voraussichtlich“ einen Studierfähigkeitstest, nähere Informationen sollen im Januar 2027 folgen.

Multiple Mini Interviews in Würzburg und Hamburg

Multiple Mini Interviews (MMI) sind ein Parcours aus mehreren kurzen Stationen. An jeder Station bekommst Du eine Aufgabe, etwa ein Gespräch oder ein Rollenspiel, und wirst von einer oder zwei Personen beobachtet. Fachwissen ist dabei nicht gefragt. Bewertet werden Auftreten, Kommunikation und Urteilsvermögen.

In Würzburg geht dem MMI eine Vorauswahl voraus. Die Noten der Bewerber werden in vier Gruppen (Quartile) eingeteilt. Eingeladen werden 60 % aus dem besten, 30 % aus dem zweiten und 10 % aus dem dritten Quartil, in der Regel drei Personen je Studienvertrag. Ein Praktikum von mindestens zwei Wochen im Hebammenwesen verbessert die Bewertung. Die Interviews finden in Präsenz auf dem Campus des Universitätsklinikums statt, 2026 am 16. und 17. Juni. Den Bewerbungszeitraum für 2027 will das Klinikum im Dezember 2026 oder Januar 2027 veröffentlichen.

Das Hamburger Mid-Int ist die zweite Stufe nach dem HAM-Mid. Für 2026 waren drei Stationen von je fünf Minuten und ein Bewerbungsgespräch von etwa 20 Minuten angekündigt. Eine Hebamme bewertet dort auch Deine praktische Erfahrung.

Gespräche bei der Klinik

Das häufigste Verfahren ist das klassische Vorstellungsgespräch. Die Klinik sichtet Lebenslauf, Zeugnis, Motivationsschreiben und Praktikumsnachweis und lädt einen Teil der Bewerber ein. Wie das konkret aussieht, zeigen die wenigen Häuser, die es beschreiben:

  • Die Universitätsmedizin Göttingen führt Auswahlgespräche, für 2027 voraussichtlich in Kalenderwoche 14.
  • Das Universitätsklinikum Erlangen lädt zu einem Bewerbertag mit Gespräch vor einem Auswahlgremium, 2027 am 11. Mai. Bewertet werden laut Leitfaden schulischer Werdegang, Vollständigkeit und Eindruck der Unterlagen, Vorstellungen von Ausbildung und Beruf, soziales Engagement und persönlicher Ausdruck.
  • Das Universitätsklinikum Augsburg lädt nach Note und Vorerfahrung ein; die Interviews lagen 2026 im Zeitraum 07.04.–08.05.
  • In Gießen führt eine Auswahlkommission die Gespräche.
  • Bei der Universität zu Lübeck laden die Kliniken nur ein, wer vorher bei der Universität eine Bewerbernummer bekommen hat.

Manche Gespräche führt die Hochschule selbst. Die Universität zu Köln vergibt Punkte für Note, Praktikum und Freiwilligendienst und lädt die besten 75 ein. Die KSH München vergibt bis zu 30 Punkte für die Note und Zusatzpunkte, etwa für eine Berufsausbildung oder ein Motivationsschreiben von höchstens einer Seite. Die Fliedner Fachhochschule führt ein persönliches Gespräch und nennt Motivation, Berufsinteresse und soziales Engagement als Kriterien.

Auswahl allein nach Note und Punkten

Einige Universitäten wählen ohne Test und ohne Gespräch aus. Hier entscheidet die Rangliste.

Studienort Kriterien
Universität Münster Abiturnote und Wartezeit; Note verbessert sich um 0,2 ab 308 Stunden hebammenspezifischer Praxis
MHH Hannover 90 % nach Note, Bonus 0,3 für eine einschlägige Berufsausbildung und 0,1 für einen einschlägigen Dienst; 10 % nach Wartezeit
Universität Tübingen Note mit Bonus bis 0,5, etwa für Praktikum, Freiwilligendienst oder Pflege von Angehörigen
Charité Berlin 60 % nach Punkten: Abiturnote bis 900, Praktikum von mindestens drei Monaten 600, Freiwilligendienst oder Ehrenamt 150, Fremdsprache ab C1 150; je 20 % nach Note und Wartezeit
MLU Halle-Wittenberg 60 % nach Punkten (bis 80 für die Note, bis 20 für das Vorpraktikum), 30 % nach Note, 10 % nach Wartezeit

Wie hoch die Grenzen zuletzt lagen, steht im Artikel zum NC im Hebammenstudium. Auffällig ist der Praktikumsanteil an der Charité – drei Monate Praxis bringen dort zwei Drittel der Punkte, die eine sehr gute Abiturnote bringt.

Was in fast allen Verfahren zählt

Vergleicht man die veröffentlichten Kriterien, taucht ein Punkt fast überall auf: praktische Erfahrung in der Geburtshilfe. Würzburg, Köln, Münster, Tübingen, die Charité und die MLU rechnen sie in Punkte oder Notenbonus um, Freiburg verlangt sie als Bedingung, und in Hamburg bewertet eine Hebamme sie im Interview. Das Vorpraktikum fürs Hebammenstudium ist damit an vielen Orten mehr als eine Formalie.

Der zweite Punkt sind vollständige Unterlagen. Erlangen nennt Vollständigkeit ausdrücklich als Kriterium. Welche Nachweise wann fällig sind, steht bei den Unterlagen fürs Hebammenstudium.

Für Interviews gilt etwas anderes als für Tests. Die Auswahltestzentrale in Hamburg hält eine gezielte Vorbereitung auf das Mid-Int ausdrücklich für nicht notwendig. Sinnvoller ist es, die eigene Praxiserfahrung konkret erzählen zu können: wo, wie lange, was Du gesehen hast.

Der größte Fehler ist ohnehin kein schlechtes Gespräch, sondern eine verpasste Frist. Die meisten Klinikverfahren laufen zwischen Januar und März 2027 – wer erst im Sommer anfängt, ist dort zu spät; die belegten Termine stehen bei den Bewerbungsfristen 2027 und im Fristen-Cockpit.

Quellen

Häufige Fragen

Ja. Wo die Kliniken auswählen, führt jede ihr eigenes Verfahren mit eigener Frist. An der Hochschule Bochum zum Beispiel ist eine Bewerbung bei mehreren Kliniken ausdrücklich möglich. Eine Ausnahme ist Hamburg: Dort gibt es ein gemeinsames Verfahren für alle drei verantwortlichen Praxiseinrichtungen.
An mehreren Studienorten ja. Die Charité vergibt für einen Freiwilligendienst oder ein Ehrenamt 150 Punkte, die Universität zu Köln rechnet FSJ und Bundesfreiwilligendienst in ihr Punktesystem ein, die MHH gibt für einen einschlägigen Dienst einen Bonus von 0,1 auf die Note. Ob ein Dienst in der Geburtshilfe zugleich als Vorpraktikum zählt, regelt jeder Studienort selbst.
Ja, im nächsten Zyklus. Der Freiburger Studierfähigkeitstest darf einmal wiederholt werden, und eine bestandene Bescheinigung gilt drei Studienjahre. In Hamburg gibt es pro Jahr nur einen Testtermin und keinen Nachholtermin; wer ihn verpasst, wartet auf das nächste Jahr.
Für den Hamburger Test HAM-Mid ja: Der Antrag muss bis zum Ende der Anmeldefrist bei der Auswahltestzentrale eingehen, belegt mit geeigneten Nachweisen. Für Gespräche bei Kliniken gibt es keine einheitliche Regel; frag dort vor dem Termin nach.

Redaktion hebamme-studium.de

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