Hebamme Studium: Ablauf, Dauer und Abschluss
Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Das Hebammenstudium dauert laut Gesetz sechs bis acht Semester, an allen deutschen Hochschulen sind es sieben oder acht. Es umfasst mindestens 4.600 Stunden, gut die Hälfte davon in der Praxis, und endet mit einem Bachelor und der staatlichen Prüfung. Wer Hebamme studiert, hat die ganze Zeit einen Vertrag mit einer Klinik und bekommt eine Vergütung.
Eine Ausbildung an einer Hebammenschule gibt es für Neueinsteiger nicht mehr; das Studium ist seit 2020 der Weg in den Beruf. Die Hintergründe stehen im Artikel zur Hebammenausbildung.
Das Studium zur Hebamme in Zahlen
| Merkmal | Vorgabe | Fundstelle |
|---|---|---|
| Dauer | 6–8 Semester in Vollzeit, angeboten werden 7 oder 8 | § 11 Abs. 1 HebG |
| Stunden insgesamt | mindestens 4.600 | § 11 Abs. 3 HebG |
| Praxis | mindestens 2.200 Stunden, davon 1.720 im Krankenhaus und 480 ambulant | § 11 Abs. 3 HebG, Anlage 2 HebStPrV |
| Hochschule | mindestens 2.200 Stunden | § 11 Abs. 3 HebG |
| frei zuweisbar | 200 Stunden für Praxis oder Hochschule | § 2 Abs. 1 HebStPrV |
| Praxisanleitung | mindestens 25 Prozent der Einsatzstunden | § 13 Abs. 2 HebG |
| selbst durchgeführte Geburten | mindestens 40 | Anlage 3 HebStPrV |
Mehrere Hochschulen planen mehr Praxis ein als die 2.200 Pflichtstunden: Bonn nennt 2.240, Münster 2.325, die Hochschule Bremen 2.340 und die OTH Regensburg 2.400 Stunden. Welche Module und Mindesttätigkeiten dahinterstehen, zeigt der Artikel zu den Inhalten des Hebammenstudiums.
Hochschule und Klinik im Wechsel
Du lernst an zwei Orten. Die Hochschule trägt die Gesamtverantwortung (§ 22 HebG). Den Praxisteil organisiert die verantwortliche Praxiseinrichtung, also das Krankenhaus, mit dem Du den Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung schließt. Es erstellt für Dich einen Praxisplan, und die Hochschule prüft, ob er zum Curriculum passt.
Beide Teile sollen „inhaltlich und zeitlich eng miteinander verzahnt“ sein (§ 21 Abs. 1 HebG). Wie das aussieht, entscheidet jede Hochschule selbst. An der TU Dresden wechseln Theorie und Praxis zum Beispiel in Blöcken von fünf bis sechs Wochen. In den Praxisphasen arbeitest Du im Kreißsaal, auf der Wochenbettstation, in der Neonatologie und der Gynäkologie. Mindestens 480 Stunden verbringst Du außerhalb der Klinik, bei freiberuflichen Hebammen oder in hebammengeleiteten Einrichtungen.
In jedem Einsatz begleitet Dich eine praxisanleitende Person. Sie braucht unter anderem zwei Jahre Berufserfahrung im jeweiligen Bereich und eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden (§ 10 HebStPrV). Von der Hochschule kommt die Praxisbegleitung dazu: Lehrende betreuen und beurteilen Dich auch während der Einsätze (§ 17 HebG).
Seit November 2024 darfst Du bis zu 480 Praxisstunden im Ausland absolvieren, wenn der Einsatz gleichwertig ist (§ 7a HebStPrV). An der Hochschule Bremen ist ein Auslandssemester im fünften Semester sogar Pflicht; die Vergütung läuft dort laut Hochschule auch im Ausland weiter. Was sich ab dem 01.11.2026 bei den Praxiseinsätzen ändert, steht im Artikel zum dualen Hebammenstudium.
Rechtlich hast Du zwei Rollen – an der Hochschule bist Du eingeschrieben, in der Klinik hast Du einen Vertrag, auf den die Regeln des Arbeitsrechts entsprechend anzuwenden sind (§ 31 HebG). Was der Vertrag regeln muss, steht im Artikel zum Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung.
Sieben oder acht Semester?
Kein Studiengang nutzt die gesetzliche Untergrenze von sechs Semestern. Die meisten dauern sieben Semester mit 210 Leistungspunkten (ECTS). Sieben Studiengänge haben acht Semester: Bonn, Münster, die Hochschule Bremen, Lübeck, die MLU Halle-Wittenberg, die Ernst-Abbe-Hochschule Jena und Frankfurt. Wo eine Angabe vorliegt, sind das 240 Leistungspunkte. Die Fachhochschule des Mittelstands in Hannover rechnet in Monaten und nennt 42.
Kürzer geht es nur für Hebammen, die schon eine Ausbildung nach altem Recht abgeschlossen haben. Die Katholische Stiftungshochschule München bietet ihnen einen Weg über fünf Semester, die Evangelische Hochschule Berlin den Einstieg im vierten Semester. Eine Pflegeausbildung verkürzt das Studium dagegen nicht: Hebammengesetz und Studien- und Prüfungsverordnung enthalten keine Regel, die sie anrechnet.
Für Dich zählt vor allem der Zeitpunkt des Berufseinstiegs. Wer im Oktober 2027 beginnt, ist nach sieben Semestern im Frühjahr 2031 fertig, nach acht im Herbst 2031. Das achte Semester bringt allerdings auch sechs Monate mehr Vergütung, denn der Vertrag endet erst mit dem letzten Semester (§ 37 Abs. 1 HebG). Warum Studiengänge länger dauern und was bei einer nicht bestandenen Prüfung passiert, erklärt der Artikel zur Dauer des Hebammenstudiums.
Der Abschluss: Bachelor und staatliche Prüfung
Am Ende verleiht die Hochschule einen akademischen Grad (§ 23 HebG), fast überall den Bachelor of Science. Die staatliche Prüfung ist Teil der Hochschulprüfung (§ 24 HebG) und liegt in den letzten beiden Semestern (§ 25 HebG). Sie besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil (§ 13 HebStPrV). Der praktische Teil hat drei Prüfungsteile: Schwangerschaft, Geburt sowie Wochenbett und Stillzeit. Den Geburtsteil legst Du an der Hochschule mit Modellen und Simulationspersonen ab (§ 29 Abs. 2 HebStPrV).
Die Gesamtnote setzt sich zu je einem Drittel aus den drei Teilen zusammen (§ 34 Abs. 3 HebStPrV). Das Zeugnis weist das Ergebnis der staatlichen Prüfung gesondert aus (§ 35 HebStPrV). Die Universität Tübingen spricht von „2 Abschlüssen“: Bachelor of Science und Berufszulassung. Rechtlich folgt die Zulassung erst nach dem Studium. Die Erlaubnis, Dich „Hebamme“ zu nennen, beantragst Du bei der Behörde des Landes, in dem Du geprüft wurdest; wie das läuft, steht unter Hebamme werden.
Was Du im Studium verdienst und was es kostet
Die Klinik zahlt Dir vom ersten Studientag bis zum Vertragsende eine monatliche Vergütung (§ 34 HebG). Kommunale Krankenhäuser zahlen nach dem TVHöD seit dem 01.05.2026 1.815 € brutto im Monat, in allen Studienjahren gleich. Unikliniken der Länder zahlen nach der TdL-Richtlinie seit dem 01.04.2026 1.610 €; zum 01.03.2027 steigt der Betrag auf 1.670 €. Kirchliche und private Träger haben eigene Regeln. Alle belegten Beträge stehen bei der Vergütung im Hebammenstudium.
An staatlichen Hochschulen fallen keine Studiengebühren an, nur der Semesterbeitrag. Die Jade Hochschule nennt 434,80 € (Stand Oktober 2026) und schreibt, die Praxispartner übernähmen ihn „ggf.“; an der Hochschule Bremen sind es 340 bis 350 €. Private Hochschulen wie die Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf, die FHM in Hannover und die HGE in Eberswalde verlangen Studiengebühren. Wer sie trägt, regeln Tarif und Vertrag: Nach der TdL-Richtlinie übernimmt der Ausbildende notwendige Studiengebühren, der TVHöD erlaubt eine solche Vereinbarung nur. Die aktuellen Beträge stehen auf den jeweiligen Studienortseiten.
Zwei Kosten darf die Klinik Dir nie auferlegen – eine Entschädigung für die praktische Ausbildung ist nichtig (§ 41 Abs. 3 HebG), und Fachbücher, Instrumente und Apparate stellt sie kostenlos (§ 32 Abs. 1 Nr. 4 HebG).
Wo Du Hebamme studieren kannst
Hebamme studieren kannst Du in allen 16 Bundesländern. Es gibt 47 primärqualifizierende Studiengänge an Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, dazu den Standort Marburg der Hochschule Fulda. Die meisten Angebote haben Nordrhein-Westfalen und Bayern mit je neun Studiengängen. Im Wintersemester 2025/26 studierten 2.578 Menschen das Fach an Universitäten und 3.879 an Fachhochschulen, zusammen 6.457.
Welche Kliniken zu welchem Studiengang gehören, wann Du Dich bewerben musst und wie ausgewählt wird, steht in der Übersicht aller Studienorte, zum Beispiel für Nordrhein-Westfalen oder Bayern. Bevor Du Dich festlegst, lies den Ratgeber zur Bewerbung: An den meisten Studienorten entscheidet zuerst die Klinik.
Quellen
- § 11 HebG, Dauer und Struktur: sechs bis acht Semester, 4.600 Stunden, je 2.200 Praxis und Hochschule
- § 2 HebStPrV, Studiengangskonzept: 200 Stunden frei zuweisbar
- Anlage 2 HebStPrV: 1.280 + 280 + 80 + 80 Stunden Krankenhaus, 480 Stunden ambulant
- Anlage 3 HebStPrV: 40 Geburten, Ausnahme 30 plus 20, 100 Untersuchungen, 100 Wöchnerinnen
- § 13 HebG, Praxiseinsätze: Praxisanleitung mindestens 25 Prozent
- § 21 HebG: enge Verzahnung, Kooperationsvereinbarungen
- § 17 HebG, Praxisbegleitung: Hochschule betreut und beurteilt während der Einsätze
- § 22 HebG: Gesamtverantwortung der Hochschule, Prüfung des Praxisplans
- § 31 HebG: arbeitsrechtliche Vorschriften entsprechend anwendbar
- § 10 HebStPrV, Praxisanleitung: zwei Jahre Berufserfahrung, 300 Stunden Zusatzqualifikation
- § 7a HebStPrV: Auslandseinsätze bis 480 Stunden
- § 37 HebG: Vertragsende mit dem letzten Semester
- § 23 HebG, § 24 HebG, § 25 HebG: akademischer Grad, staatliche Prüfung in den letzten beiden Semestern
- § 13 HebStPrV, § 29 HebStPrV, § 34 HebStPrV, § 35 HebStPrV: Prüfungsteile, Geburtsteil mit Simulation, Gesamtnote, gesonderter Ausweis im Zeugnis
- § 34 HebG, § 32 HebG, § 41 HebG: Vergütung, kostenlose Fachbücher, keine Entschädigung
- TVHöD, Lesefassung Stand 01.07.2025: 1.815 € ab 01.05.2026, § 9 Abs. 4 Studiengebühren als Kann-Vereinbarung
- TdL-Richtlinie für duale Studiengänge, Fassung 23.03.2026: 1.610 € ab 01.04.2026, 1.670 € ab 01.03.2027, Übernahme notwendiger Studiengebühren
- Universität Bonn, Hebammenwissenschaft: 8 Semester, 240 ECTS, 2.240 Praxisstunden
- Universität Münster, Informationen zum Studiengang: 8 Semester, 240 ECTS, 2.325 Praxisstunden
- Hochschule Bremen, Internationaler Studiengang Hebammen: 8 Semester, Auslandssemester im 5. Semester mit Vergütung, 2.340 Praxisstunden, Semesterbeitrag 340 bis 350 €
- OTH Regensburg, FAQ Bachelor Hebammenkunde: 2.400 Praxisstunden, kein Teilzeitstudium
- TU Dresden, FAQ Zentrum für Hebammenwissenschaft: Theorie- und Praxisblöcke von fünf bis sechs Wochen
- KSH München, Hebammenkunde: fünf Semester für examinierte Hebammen
- Evangelische Hochschule Berlin, Hebammenwissenschaft: Einstieg im vierten Semester für examinierte Hebammen
- Jade Hochschule, Hebammenwissenschaft dual: Semesterbeitrag 434,80 €
- Universität Tübingen, Hebammenwissenschaft: Bachelor und Berufszulassung als „2 Abschlüsse“
- Destatis, Statistik der Studierenden WS 2025/26: 6.457 Studierende, 2.578 an Universitäten, 3.879 an Fachhochschulen
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