Hebamme duales Studium: Vertrag, Vergütung, Praxis
Von der RedaktionAktualisiert am 4. November 20266 Min. Lesezeit

Das Hebammenstudium ist immer dual: § 11 Abs. 2 HebG nennt es „ein duales Studium“. Du hast einen Vertrag mit einer Klinik, bekommst ab dem ersten Monat eine Vergütung und verbringst mindestens 2.200 Stunden in der Praxis. Nach den Tarifen des öffentlichen Dienstes sind das 1.610 oder 1.815 € brutto im Monat (Stand Oktober 2026), andere Träger zahlen eigene Beträge.
Einen nicht dualen Weg in den Beruf gibt es nicht mehr. Die frühere Fachschulausbildung läuft 2027 aus; was dazu gilt, steht im Artikel zur Hebammenausbildung.
„Ein duales Studium“: was das Gesetz damit meint
Das Studium besteht aus zwei Teilen, einem berufspraktischen und einem hochschulischen (§ 11 Abs. 2 HebG). Beide müssen „inhaltlich und zeitlich eng miteinander verzahnt“ sein (§ 21 Abs. 1 HebG). Die Hochschule trägt die Gesamtverantwortung, die Klinik verantwortet die Praxis. Damit das klappt, schließt die Hochschule mit jeder Klinik eine Kooperationsvereinbarung (§ 21 Abs. 2 HebG).
Diese Vereinbarung soll auch regeln, wie die Studierenden ausgewählt werden (§ 5 Abs. 2 HebStPrV). Tatsächlich entscheidet an vielen Studienorten die Klinik mit, wer einen Platz bekommt, an 31 von 47 Studiengängen bewirbst Du Dich sogar zuerst bei ihr. Wie die Bewerbung in beiden Schritten abläuft, erklärt der Ratgeber zur Bewerbung fürs Hebammenstudium.
Der Gesetzgeber wollte genau dieses Modell. Im Entwurf zur Reform heißt es, das Studium sei „als duales Studium ausgestaltet und weist einen weiterhin hohen Praxisanteil auf“ (BT-Drucksache 19/10612).
Im Alltag wechseln sich Hochschule und Klinik meist in Blöcken ab – an der TU Dresden etwa alle fünf bis sechs Wochen. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein beschreibt das achtsemestrige Studium in Lübeck ebenfalls als Folge von Theorie- und Praxisblöcken. Den Urlaub legen die Tarife in die vorlesungsfreie Zeit; der TVHöD gewährt 30 Ausbildungstage im Jahr, im Schichtdienst ab dem zweiten Studienjahr einen Tag mehr.
Der Vertrag mit der Klinik
Die Klinik heißt im Gesetz verantwortliche Praxiseinrichtung. Das kann nur ein Krankenhaus sein, das nach § 108 SGB V zur Versorgung zugelassen ist (§ 15 Abs. 2 HebG). Mit ihr schließt Du den Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung, im Alltag meist Studienvertrag genannt.
Die wichtigsten Regeln im Überblick:
| Thema | Regel | Fundstelle |
|---|---|---|
| Form | schriftlich, elektronische Form ausgeschlossen | § 27 Abs. 2 HebG |
| Wirksamkeit | erst mit schriftlicher Studienplatzzusage einer kooperierenden Hochschule | § 29 HebG |
| Minderjährige | Vertrag gemeinsam mit den Eltern | § 30 HebG |
| Probezeit | sechs Monate, in dieser Zeit ist eine Kündigung jederzeit ohne Frist möglich | §§ 36, 38 Abs. 1 HebG |
| Kündigung danach | durch Dich mit vier Wochen zum Monatsende, durch die Klinik nur aus wichtigem Grund | § 38 Abs. 2 HebG |
| verboten | Bleibeklauseln, Entschädigung für die Praxisausbildung, Vertragsstrafen | § 41 HebG |
| kostenlos | Fachbücher, Instrumente und Apparate | § 32 Abs. 1 Nr. 4 HebG |
Im Vertrag müssen unter anderem der Studienbeginn, der Praxisplan, die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit und die Höhe der Vergütung stehen (§ 28 HebG). Überstunden sind nur ausnahmsweise erlaubt und müssen bezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen werden (§ 35 HebG). Arbeitest Du nach dem Studium ohne neue Vereinbarung einfach weiter, entsteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis (§ 40 HebG). Alle Pflichtinhalte und Deine Rechte erklärt der Artikel zum Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung.
Hebamme duales Studium: 1.610 bis 1.815 € im Monat
§ 34 HebG verpflichtet die Klinik zu einer „angemessenen monatlichen Vergütung“ vom ersten Studientag bis zum Vertragsende. Einen Betrag nennt das Gesetz nicht. Die Höhe hängt vom Träger der Klinik ab.
| Tarif | Gilt für | Betrag | Stand |
|---|---|---|---|
| TVHöD | Studierende mit Vertrag nach HebG bei kommunalen Krankenhäusern, die Mitglied eines VKA-Mitgliedverbands und an den TVöD gebunden sind (§ 1 TVHöD) | 1.815 € | ab 01.05.2026 |
| TdL-Richtlinie | Universitätskliniken und Landeskrankenhäuser der Länder in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder; für das Hebammenstudium gilt Abschnitt II mit Maßgaben verbindlich | 1.610 € | ab 01.04.2026 |
| AVR DWBO | Einrichtungen der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz; Anlage 10a Nr. III nennt ausdrücklich Ausbildungen „nach dem HebammenG“ | 1. Jahr West: 1.472,18 € · 2. Jahr West: 1.566,14 € · 3. Jahr West: 1.691,44 € · 4. Jahr West: 1.817,95 € · 1. Jahr Ost: 1.529,52 € · 2. Jahr Ost: 1.627,16 € · 3. Jahr Ost: 1.757,33 € · 4. Jahr Ost: 1.888,77 € | ab 01.07.2026 |
| AVR Caritas | Einrichtungen der Caritas; Abschnitt G § 5 Abs. 1: Die akademische Hebammenausbildung nach dem HebG ist ein praxisintegriertes Studium im Gesundheits- und Pflegewesen | 1. Jahr: 1.490,69 € · 2. Jahr: 1.552,07 € · 3. Jahr: 1.653,38 € · 4. Jahr: 1.815 € | |
| UM Mainz | Studierende mit Vertrag bei der Universitätsmedizin Mainz (nicht Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein Koblenz) | 1. Jahr: 1.534,51 € · 2. Jahr: 1.608,99 € · 3. Jahr: 1.728,95 € | 19.10.2026 |
| UKSH | Studierende der Universität zu Lübeck mit Vertrag beim UKSH (Kiel oder Lübeck); andere verantwortliche Praxiseinrichtungen können abweichen | 1. Jahr: 1.440 € · 2. Jahr: 1.506 € · 3. Jahr: 1.613 € · 4. Jahr: 1.613 € | 19.10.2026 |
Quellen und Rechenweg: Methodik. Selbst rechnen: Gehaltsrechner.
Die beiden großen Tarife des öffentlichen Dienstes liegen nah beieinander – 205 € trennen sie derzeit. Kommunale Krankenhäuser zahlen nach dem Tarifvertrag für Studierende in einem dualen Hebammenstudium (TVHöD) seit dem 01.05.2026 monatlich 1.815 €, vorher waren es 1.740 €. Der Betrag ist in allen Studienjahren gleich, dazu kommt eine Jahressonderzahlung von 90 Prozent. Unikliniken der Länder zahlen nach der Richtlinie der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) seit dem 01.04.2026 monatlich 1.610 €; vorgesehen sind 1.670 € ab dem 01.03.2027 und 1.700 € ab dem 01.01.2028.
Daneben gibt es veröffentlichte Hausbeträge, die meist darunter liegen. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein nennt 1.440 € im ersten und 1.613 € im dritten und vierten Studienjahr, die Universität Tübingen „ca. 1.517 €“. Die KSH München gibt für ihre Praxispartner einen Durchschnitt von rund 1.250 € an, die Fliedner Fachhochschule für ihre Partner rund 950 bis 1.140 €. Frag deshalb vor der Unterschrift, nach welchem Tarif die Klinik zahlt – der Vertrag muss die Höhe ohnehin nennen (§ 28 Abs. 1 Nr. 5 HebG). Die vollständige Tabelle mit Stand steht bei der Vergütung im Hebammenstudium, was netto übrig bleibt, im Artikel Hebamme Gehalt netto.
Zwei Details stehen ebenfalls im Gesetz. Sachbezüge wie Unterkunft oder Verpflegung darf die Klinik nur anrechnen, wenn der Vertrag das vorsieht, und höchstens bis 75 Prozent der Bruttovergütung (§ 34 Abs. 2 HebG). Und der TVHöD sieht eine unbefristete Übernahme vor, wenn Du mindestens mit „befriedigend“ abschließt und die Klinik Bedarf hat; diese Regel tritt nach heutigem Stand mit Ablauf des 31.03.2027 außer Kraft (§ 21a TVHöD).
2.200 Stunden Praxis: wo Du eingesetzt wirst
Mindestens 2.200 Stunden des Studiums sind Praxis (§ 11 Abs. 3 HebG). Davon liegen 1.720 im Krankenhaus: 1.280 Stunden in Schwangerschaft und Geburt, 280 auf der Wochenbettstation, je 80 in der Neonatologie und der Gynäkologie. Die übrigen 480 Stunden arbeitest Du ambulant bei freiberuflichen Hebammen oder in hebammengeleiteten Einrichtungen (Anlage 2 HebStPrV).
Die Klinik plant das für Dich. Sie erstellt einen Praxisplan und schließt Vereinbarungen mit den anderen Einsatzstellen (§ 16 HebG). In jedem Einsatz leitet Dich eine praxisanleitende Person mindestens 25 Prozent der Stunden an; die Länder dürfen das bis 2030 auf 15 Prozent senken (§ 13 Abs. 2 HebG). Freiberufliche Hebammen, die Studierende anleiten, bekommen dafür laut GKV-Spitzenverband 6.600 € je studierender Person und 480 Praxisstunden.
Zwei Regeln lockern den Rahmen etwas. Bis zu 480 Stunden können im Ausland stattfinden, wenn der Einsatz gleichwertig ist (§ 7a HebStPrV). Und ab dem 01.11.2026 darf mit Genehmigung der Behörde ein „geringer Anteil“ der Einsätze durch praktische Lerneinheiten an der Hochschule oder in der Klinik ersetzt werden (§ 13 Abs. 2 Satz 4 HebG n. F., BGBl. 2026 I Nr. 225). Welche Mindesttätigkeiten Du in dieser Zeit nachweisen musst, darunter 40 selbst durchgeführte Geburten, steht bei den Inhalten des Hebammenstudiums.
Was das Hebammenstudium von anderen dualen Studiengängen unterscheidet
Das Berufsbildungsgesetz, das Auszubildende schützt, gilt für Studiengänge an Hochschulen nicht (§ 3 Abs. 2 Nr. 1 BBiG). Für das Hebammenstudium regelt stattdessen das Hebammengesetz selbst, was im Vertrag stehen muss und was verboten ist. Jede Vereinbarung, die zu Deinen Ungunsten von den §§ 27 bis 40 abweicht, ist nichtig (§ 41 Abs. 1 HebG).
Auch beim Geld gibt es Unterschiede. Die TdL-Richtlinie für duale Studiengänge ist für die Länder grundsätzlich nur eine unverbindliche Empfehlung. Für das Hebammenstudium hat die TdL ihren Abschnitt zu dualen Studiengängen, der auch das Entgelt regelt, dagegen mit bestimmten Maßgaben für verbindlich erklärt. Die kommunalen Arbeitgeber haben mit ver.di und dbb sogar einen eigenen Tarifvertrag nur für Hebammenstudierende abgeschlossen, den TVHöD vom 11.01.2022.
Der Vertragspartner ist immer ein Krankenhaus, und zwar eines, das zur Versorgung gesetzlich Versicherter zugelassen ist. Ende 2024 zählte die Krankenhausstatistik 3.259 Hebammenstudierende in 165 Krankenhäusern. Welche Kliniken mit welcher Hochschule zusammenarbeiten, zeigt der Klinik-Finder; die Studiengänge mit Fristen stehen in der Übersicht aller Studienorte. Ablauf, Semesterzahl und Abschluss beschreibt der Artikel Hebamme studieren. Wie das duale Modell in anderen Gesundheitsstudiengängen aussieht, zeigen das duale PA-Studium mit Vertrag beim Praxispartner und das duale Studium Physiotherapie, bei dem Berufsfachschule und Hochschule zusammenarbeiten.
Quellen
- § 11 HebG, Dauer und Struktur: „ein duales Studium“, 2.200 Praxisstunden
- § 21 HebG: Verzahnung, Kooperationsvereinbarungen
- § 5 HebStPrV, Kooperationsvereinbarung: Vorgaben zur Auswahl der Studierenden
- § 15 HebG: verantwortliche Praxiseinrichtung nur Krankenhaus
- § 16 HebG: Praxisplan, Vereinbarungen mit Einsatzstellen
- § 13 HebG: Praxisanleitung 25 Prozent, bis 2030 mindestens 15 Prozent
- § 27 HebG, § 28 HebG, § 29 HebG, § 30 HebG: Schriftform, Pflichtinhalte, Wirksamkeit, Minderjährige
- § 32 HebG, § 34 HebG, § 35 HebG: kostenlose Fachbücher, Vergütung, Sachbezüge bis 75 Prozent, Überstunden
- § 36 HebG, § 37 HebG, § 38 HebG, § 40 HebG, § 41 HebG: Probezeit, Vertragsende, Kündigung, Weiterbeschäftigung, Nichtigkeit
- § 3 BBiG: Berufsbildungsgesetz gilt nicht für Studiengänge an Hochschulen
- Anlage 2 HebStPrV: 1.280 + 280 + 80 + 80 Stunden Krankenhaus, 480 Stunden ambulant
- § 7a HebStPrV: Auslandseinsätze bis 480 Stunden
- BGBl. 2026 I Nr. 225: § 13 Abs. 2 Satz 4 HebG n. F. ab 01.11.2026 (Art. 5 Nr. 1, Art. 6 Abs. 1)
- BT-Drucksache 19/10612: Studium „als duales Studium ausgestaltet“ mit hohem Praxisanteil
- TVHöD, Lesefassung Stand 01.07.2025: 1.740 € ab 01.04.2025, 1.815 € ab 01.05.2026, Jahressonderzahlung 90 Prozent, Urlaub 30 Ausbildungstage (§ 12), Übernahme § 21a bis 31.03.2027
- TdL-Richtlinie für duale Studiengänge, Fassung 23.03.2026: 1.610 € ab 01.04.2026, 1.670 € ab 01.03.2027, 1.700 € ab 01.01.2028; Abschnitt II für das Hebammenstudium verbindlich
- TdL-Hinweise zur Richtlinie, Fassung 07.08.2020: Bachelor Hebamme zählt zu den „sonstigen“ dualen Studiengängen
- UKSH Akademie, Hebammenwissenschaft B.Sc.: 1.440 / 1.506 / 1.613 / 1.613 € im 1. bis 4. Jahr, Studium in Theorie- und Praxisblöcken
- Universität Tübingen, Hebammenwissenschaft: Vergütung „ca. 1.517 €“
- KSH München, Hebammenkunde: durchschnittliches Einkommen bei den Praxispartnern ca. 1.250 €
- Fliedner Fachhochschule, Hebammenkunde: Vergütung der Partner ca. 950 bis 1.140 €
- GKV-Spitzenverband, Zahlen, Daten, Fakten zu freiberuflichen Hebammen, Oktober 2025: 6.600 € je Studierender für 480 Praxisstunden
- Destatis, Grunddaten der Krankenhäuser 2024: 3.259 Hebammenstudierende in 165 Krankenhäusern
- TU Dresden, FAQ Zentrum für Hebammenwissenschaft: Theorie- und Praxisblöcke von fünf bis sechs Wochen
- OTH Regensburg, FAQ Bachelor Hebammenkunde: Exmatrikulation bei Kündigung ohne neuen Vertrag
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