Hebamme Studium Unterlagen: Führungszeugnis, Attest, Masern

Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Ordner mit Unterlagen für die Bewerbung

Für das Hebammenstudium reichst Du Unterlagen in zwei Runden ein. Zur Bewerbung gehören Lebenslauf, Motivationsschreiben, letztes Zeugnis und Praktikumsnachweis. Vor dem Vertrag mit der Klinik oder der Einschreibung folgen fast überall drei Nachweise: ein erweitertes Führungszeugnis, ein ärztliches Attest zur gesundheitlichen Eignung und der Masernschutz.

Die zweite Runde hat eigene Tücken. Die drei Nachweise dürfen meist nur wenige Wochen alt sein, brauchen einen Termin beim Bürgeramt oder in der Arztpraxis und haben Fristen, die unabhängig von der Bewerbung laufen. Welche Voraussetzungen hinter den Nachweisen stehen, erklärt der Artikel zu den Voraussetzungen fürs Hebammenstudium; hier geht es darum, was Du wann besorgst.

Hebamme Studium Unterlagen für die Bewerbung

Für die erste Runde verlangen Kliniken und Hochschulen fast immer diese Dokumente:

  1. Lebenslauf in Tabellenform.
  2. Anschreiben oder Motivationsschreiben.
  3. Letztes Zeugnis: Abiturzeugnis oder, wenn Du noch zur Schule gehst, das letzte Halbjahres- oder Zwischenzeugnis.
  4. Nachweis über ein Praktikum in der Geburtshilfe, wo eines verlangt oder angerechnet wird.
  5. Bei ausländischem Schulabschluss die Anerkennung oder Prüfung der Hochschulzugangsberechtigung und einen Deutschnachweis.

Bei Länge und Form gibt es feste Vorgaben. Die Universitätsmedizin Mainz begrenzt das Motivationsschreiben auf 300 Wörter, das Uniklinikum Leipzig und die KSH München auf eine Seite. Die katho in Köln arbeitet mit einem eigenen Erhebungsbogen zur Studienmotivation. Für das Hamburger Auswahlverfahren darf der Lebenslauf höchstens zwei Seiten lang sein, jede Datei höchstens 2 MB. Das Klinikum Chemnitz will eine beglaubigte Kopie der Hochschulreife.

Einige Studienorte wollen schon in der ersten Runde mehr. Münster verlangt das Gesundheitszeugnis auf einem Vordruck bereits mit der Bewerbung, ebenso die MHH. Die KSH München will ärztliches Attest und polizeiliches Führungszeugnis, beide höchstens drei Monate alt, gleich mit der Bewerbung. Und die Universitätsmedizin Mainz verlangt seit dem Wintersemester 2026/27 einen Erste-Hilfe-Kurs, der höchstens zwölf Monate zurückliegt.

Das erweiterte Führungszeugnis

Fast alle Kliniken verlangen das erweiterte Führungszeugnis nach § 30a Bundeszentralregistergesetz. Es enthält mehr Eintragungen als das einfache Zeugnis, vor allem solche, die für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen eine Rolle spielen. Beantragen kannst Du es nur mit einer schriftlichen Aufforderung der Stelle, die es verlangt; darin bestätigt sie, dass die Voraussetzungen vorliegen. Diese Aufforderung stellt Dir die Stelle aus, die das Zeugnis verlangt. An der Hochschule Bochum etwa bekommst Du sie erst mit der Zulassung, und erst danach kannst Du das Zeugnis beantragen.

Den Antrag stellst Du bei der Meldebehörde Deiner Stadt oder online beim Bundesamt für Justiz. Die Gebühr beträgt 13 € (Stand Oktober 2026). Seit dem 1. Oktober 2026 gibt es das Zeugnis für Privatpersonen auch digital als PDF im BundID-Postfach; für das erweiterte Zeugnis lädst Du die Bescheinigung der Klinik beim Online-Antrag hoch.

Wichtig ist die Frage, an wen das Zeugnis geht. Ein Zeugnis zur Vorlage bei einer Behörde schickt das Bundesamt direkt an die Behörde (§ 30 Abs. 5 BZRG), das private Zeugnis bekommst Du selbst. Manche Stellen geben deshalb ein Kürzel vor: Die katho verlangt die „Belegart NE“ (erst nach der Studienplatzzusage), das Praxiszentrum der RWTH Aachen die „Belegart OE“. Übernimm das Kürzel beim Antrag genau so.

Wie alt das Zeugnis sein darf, legt jede Stelle selbst fest; eine gesetzliche Gültigkeitsdauer gibt es laut Bundesamt nicht.

Stelle Vorgabe zum Führungszeugnis
RWTH Aachen (Praxiszentrum CBG) erweitert, Belegart OE, höchstens drei Monate alt
Hochschule Bochum eintragsfrei, erweitert, höchstens drei Monate alt; im Original bis 31.10. bei Start im Wintersemester, sonst Exmatrikulation
Hochschule Bremen erweitert, höchstens zwei Monate alt, bei Vertragsunterzeichnung
Hochschule Furtwangen erweitert, nicht älter als einen Monat, zum Studierendenvertrag
Universitätsmedizin Mainz erweitert, höchstens drei Monate alt, frühestens ab 1. Juli ausgestellt
Universität Münster Praxisvertrag mit dem UKM vorbehaltlich der Prüfung des Führungszeugnisses

Beantrage das Zeugnis also erst, wenn Du die Frist der Stelle kennst. Wer es im Februar zur Klinikbewerbung holt, braucht für einen Vertrag im Sommer oft ein neues.

Gesundheitszeugnis und ärztliche Bescheinigung

Das Hebammengesetz verlangt, dass Du für den Beruf nicht „in gesundheitlicher Hinsicht“ ungeeignet bist (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 HebG). Den Nachweis führst Du auf zwei Wegen: mit einem Attest Deiner Hausärztin, oft auf einem Vordruck der Hochschule, oder mit einer Untersuchung beim Betriebsarzt der Klinik.

Betriebsärztlich untersuchen zum Beispiel das Uniklinikum Würzburg, das Uniklinikum Augsburg, die Universitätsmedizin Göttingen und die Kliniken der Universität zu Lübeck. Mit einem Attest arbeiten unter anderem Münster (Vordruck, höchstens drei Monate alt), die MHH (Vordruck aus der Zulassungsordnung), die Hochschule Bochum (Vordruck der Hochschule, höchstens drei Monate alt bei der Einschreibung) und die Universitätsmedizin Mainz (Formular).

Die Zeitpunkte gehen weit auseinander. Leipzig will das Gesundheitszeugnis bis zum Ende der Bewerbungsfrist, die OTH Regensburg erst bis Ende des ersten Semesters, bis dahin ist die Einschreibung vorläufig. Die Hochschule Bochum verlangt vor den Prüfungen zur Berufszulassung eine Auffrischung des Zeugnisses.

Masernschutz: Pflicht für alle nach 1970 Geborenen

Der Masernschutz ist Gesetz – keine Vorgabe, über die eine Klinik verhandeln könnte. Wer nach dem 31. Dezember 1970 geboren ist und in einem Krankenhaus tätig ist, muss einen ausreichenden Impfschutz gegen Masern oder eine Immunität nachweisen (§ 20 Abs. 8 S. 1 Nr. 3 i. V. m. § 23 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 IfSG). Ausreichend ist der Impfschutz, wenn ab dem ersten Geburtstag mindestens eine und ab dem zweiten mindestens zwei Impfungen gegen Masern gemacht wurden.

Den Nachweis legst Du der Leitung der Einrichtung vor, bevor Du dort tätig wirst (§ 20 Abs. 9 IfSG). Das Gesetz lässt drei Formen zu:

  1. den Impfausweis oder ein ärztliches Zeugnis über den ausreichenden Impfschutz,
  2. ein ärztliches Zeugnis über eine Immunität gegen Masern oder darüber, dass Du aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kannst,
  3. die Bestätigung einer staatlichen Stelle oder einer anderen Einrichtung, dass dort schon ein solcher Nachweis vorlag.

Ausdrücklich nennen den Masernschutz unter anderem die HAW Hamburg, die MHH (bei Unterschrift des Vertrags), Tübingen (zur Einschreibung), die Universitätsmedizin Mainz (ärztlicher Nachweis auf Formular) und die FAU Erlangen. Die Hochschule Bremen fragt bei Vertragsunterzeichnung mehr ab: zwei Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln, eine höchstens zehn Jahre alte Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten sowie Hepatitis B. Das Uniklinikum Leipzig will den Impfstatus als ärztlichen Nachweis schon zur Bewerbung, die MUL-CT für die BTU einen „vollständigen Impfschutz“.

Schau deshalb früh in Deinen Impfausweis. Fehlt eine Impfung oder ist der Ausweis verloren, brauchst Du einen Arzttermin, und der lässt sich nicht in der Woche vor Vertragsbeginn erledigen.

Weitere Nachweise je Studienort

Neben den drei Klassikern gibt es Unterlagen, die nur einzelne Studienorte verlangen:

Nachweis Wo (Beispiele)
Sprachnachweis Deutsch (meist C1) bei ausländischer Hochschulzugangsberechtigung fast überall, Niveau je Studienort
Englisch auf Niveau B1.2 Hochschule Bremen (Studium mit Pflicht-Auslandssemester)
Erste-Hilfe-Kurs, höchstens zwölf Monate alt Universitätsmedizin Mainz
Nachweis über das RWTH-Self-Assessment Psychologie (Ergebnis ohne Einfluss auf die Platzvergabe) RWTH Aachen, zur Einschreibung
Original-Gesundheitszeugnis und beglaubigtes Abiturzeugnis per Post bis 30.07. DHBW Karlsruhe
Kopie des beidseitig unterschriebenen Klinikvertrags Hochschule Bochum und alle Studienorte mit Klinik zuerst

Was im Einzelnen gilt, steht auf der Seite Deines Studienorts, etwa für Mainz, Bremen oder Aachen. Den Vertrag selbst und seine Pflichtinhalte erklärt der Artikel zum Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung.

Zeitplan: wann Du was brauchst

Zeitpunkt (Start Oktober 2027) Unterlagen
Herbst 2026 bis Klinikfrist (meist Januar–März 2027) Lebenslauf, Motivationsschreiben, letztes Zeugnis, Praktikumsnachweis; in Münster, an der MHH und der KSH auch Gesundheitszeugnis
Nach der Zusage der Klinik Aufforderung für das erweiterte Führungszeugnis anfordern, Termin bei Hausarzt oder Betriebsarzt, Impfausweis prüfen
Vertragsabschluss und Einschreibung (meist Mai–September 2027) erweitertes Führungszeugnis, Gesundheitsnachweis, Masernschutz, Studienplatzzusage, Abiturzeugnis
Vor dem ersten Praxiseinsatz Masernschutz spätestens jetzt bei der Klinik

Die Fristen der Kliniken und Hochschulen für 2027 stehen bei den Bewerbungsfristen 2027. Ein Praktikum, das Du als Nachweis brauchst, plane mit dem Artikel zum Vorpraktikum.

Quellen

Häufige Fragen

Eine feste Bearbeitungszeit nennt das Bundesamt für Justiz nicht. Das digitale Führungszeugnis kommt laut Bundesamt schneller, weil der Postweg entfällt. Wer neben oder statt der deutschen eine andere EU-Staatsangehörigkeit hat, bekommt ein Europäisches Führungszeugnis; dafür hat der Herkunftsstaat bis zu 20 Arbeitstage Zeit.
Einen einheitlichen Preis gibt es nicht, weil Hausarzt oder Betriebsarzt das Attest ausstellen und die Vordrucke je Hochschule verschieden sind. Wo die Klinik ihre Betriebsärztin untersuchen lässt, etwa am Uniklinikum Würzburg, in Augsburg oder bei den Kliniken der Universität Lübeck, fällt für Dich kein Arztbesuch an.
Für die Hochschulzugangsberechtigung aus dem Ausland verlangen die Hochschulen meist eine Prüfung über uni-assist oder eine Anerkennungsstelle; die Unterlagen für die Klinik sind in der Regel auf Deutsch. Das Klinikum Chemnitz etwa will ausländische Abschlüsse vorab von einer Anerkennungsstelle geprüft sehen und die Anerkennungsurkunde in der Bewerbung haben.
Ja. Den Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung schließen Minderjährige gemeinsam mit ihren gesetzlichen Vertretern (§ 30 HebG). Die KSH München verlangt bei Bewerbern unter 18 Jahren schon für die Bewerbung eine Einwilligung der Eltern.

Redaktion hebamme-studium.de

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