Hebamme Quereinstieg aus der Pflege: keine Verkürzung

Von der RedaktionAktualisiert am 4. November 20266 Min. Lesezeit

Heller Klinikflur

Beim Quereinstieg aus der Pflege ins Hebammenstudium gilt: Deine Pflegeausbildung ersetzt das Abitur als Zugang (§ 10 HebG), verkürzt das Studium aber nicht. Das Hebammengesetz und die Studien- und Prüfungsverordnung kennen keine Anrechnung, und unter sechs Semester geht es nicht. Vorteile bringt die Ausbildung im Auswahlverfahren, an der MHH etwa 0,3 auf die Note.

Wer aus dem Beruf kommt, rechnet außerdem anders als jemand direkt nach dem Abitur. Im Studium zahlt eine kommunale Klinik 1.815 € im Monat – eine Pflegefachkraft verdient dort deutlich mehr. Nach dem Abschluss liegt das Einstiegsgehalt einer Hebamme mit Bachelor dann über der höchsten Stufe der Pflege-Entgeltgruppe P 7.

Zugang: Pflegeausbildung statt Abitur

Das Hebammengesetz lässt drei Pflegeabschlüsse als Zugang gelten: Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, dazu die gleichwertige Pflegequalifikation aus einem anderen EU-Staat. Die Altenpflege steht nicht in der Liste.

Ob die Ausbildung allein reicht, entscheidet das Hochschulrecht. In Hamburg zählt der Abschluss direkt als Hochschulzugang. In Münster und an der MHH brauchst Du zusätzlich drei Jahre Berufstätigkeit, an der TU Dresden außerdem eine Hochschulzugangsprüfung. Die Übersicht je Studienort steht im Artikel Hebamme studieren ohne Abitur.

Keine Verkürzung beim Quereinstieg aus der Pflege

Eine Abkürzung gibt es nicht. Das Hebammenstudium dauert in Vollzeit mindestens sechs und höchstens acht Semester und umfasst mindestens 4.600 Stunden, davon mindestens 2.200 in der Praxis (§ 11 HebG). Eine Regel, nach der eine Pflegeausbildung angerechnet wird oder das Studium verkürzt, steht im Hebammengesetz nicht und auch nicht in der Studien- und Prüfungsverordnung.

Die einzige Anrechnung, die die Verordnung kennt, betrifft Praxiseinsätze im Ausland: Sie können bis zu 480 Stunden angerechnet werden, wenn sie gleichwertig sind (§ 7a HebStPrV). Mit der Pflege hat das nichts zu tun.

Verkürzte Wege gibt es nur für examinierte Hebammen aus der alten Fachschulausbildung. Die KSH München bietet ihnen ein Studium in fünf Semestern, die Evangelische Hochschule Berlin einen Einstieg ins vierte Semester. Für Pflegekräfte steht kein solcher Weg offen. Ob eine Hochschule einzelne Module aus Deiner Pflegeausbildung anerkennt, hängt von ihrer Prüfungsordnung ab; an der Mindestdauer von sechs Semestern ändert das nichts. Wie lange die Studiengänge im Einzelnen dauern, steht im Artikel zur Dauer des Hebammenstudiums.

Pluspunkte für Pflegekräfte im Auswahlverfahren

Wo die Hochschule auswählt, wiegt die Pflegeausbildung oft schwer. Die Tabelle zeigt die belegten Regeln (Stand 19. Oktober 2026).

Studienort Was die Pflegeausbildung bringt
MHH Hannover Note verbessert sich um 0,3; die Ausbildung ersetzt das vierwöchige Vorpraktikum
Uni Freiburg volle 60 Punkte für Vorerfahrung bei abgeschlossener dreijähriger Ausbildung, ein vierwöchiges Praktikum bringt nur 20
MLU Halle die Note der Pflegeausbildung zählt im Auswahlverfahren an Stelle der Abiturnote
KSH München 4 Punkte für eine abgeschlossene Berufsausbildung, wenn sie nicht schon Zugangsvoraussetzung ist
Charité Berlin eigene Quote von 5 Prozent für beruflich Qualifizierte
HS Bremen, Kliniken der EHB Berlin Pflegeausbildung statt Vorpraktikum
Uni Tübingen kein eigener Bonus für eine Pflegeausbildung; 0,1 für mindestens sechs Monate Praktikum, Hospitation oder Freiwilligendienst im Bereich der Gesundheitsfachberufe

In Freiburg stehen Gesundheits- und Krankenpflege sowie Pflegefachfrau und Pflegefachmann ausdrücklich in der Liste der anerkannten Berufe. An der MHH gilt der Bonus für die Pflegeberufe ebenso wie für MFA, OTA und Physiotherapie. Bei der KSH bekommst Du die 4 Punkte nur, wenn Du mit Abitur oder Fachhochschulreife kommst; dient die Pflegeausbildung als Zugang, zählt sie dort nicht doppelt.

Wo die Klinik auswählt, gibt es keine veröffentlichten Punkte. Die Kriterien lassen aber Raum für Berufserfahrung – das Uniklinikum Erlangen nennt etwa „angemessene Vorstellungen von Ausbildung und Beruf“ und bisheriges soziales Engagement. Mehr zu Gesprächen und Tests im Artikel zum Auswahlverfahren.

Geld: Vergütung im Studium und Gehalt in der Pflege

Der Wechsel kostet Dich für drei bis vier Jahre Geld. Das zeigt der Vergleich am Beispiel eines kommunalen Krankenhauses, das nach TVöD zahlt. Pflegefachkräfte mit dreijähriger Ausbildung stehen dort in der Grundeingruppierung in Entgeltgruppe P 7, mit Fachweiterbildung oder besonderen Aufgaben höher.

Situation Tarif Brutto im Monat gültig ab
Pflegefachkraft im kommunalen Krankenhaus TVöD P 7, Stufe 2 bis Stufe 6 3.677,12 € bis 4.472,22 € (Tabellenentgelt plus 166,82 € Zulagen) 1. Mai 2026
Hebammenstudium im kommunalen Krankenhaus TVHöD, alle Studienjahre 1.815,00 € 1. Mai 2026
Hebammenstudium an einer Uniklinik der Länder TdL-Richtlinie für duale Studiengänge 1.610,00 €, ab 1. März 2027 1.670,00 € 1. April 2026
Hebamme mit Bachelor im kommunalen Krankenhaus TVöD P 11, Stufe 2 4.586,53 € (4.419,71 € Tabellenentgelt plus 166,82 € Zulagen) 1. Mai 2026

Die 166,82 € sind zwei feste Zulagen, die der TVöD im Krankenhaus allen in P 5 bis P 16 zahlt: 25,00 € und die Pflegezulage von 141,82 € (§ 52 Abs. 5 und 6 BT-K). Im Studium gibt es sie nicht.

Ein Rechenbeispiel mit den Werten der Tabelle: Wer als Pflegefachkraft in P 7 Stufe 4 mit 4.165,15 € brutto arbeitet (3.998,33 € Tabellenentgelt plus Zulagen) und ins Hebammenstudium an einem kommunalen Krankenhaus wechselt, bekommt im Studium 2.350,15 € weniger im Monat. Bei sieben Semestern, also 42 Monaten, summiert sich das rechnerisch auf rund 98.700 € brutto – unter der Annahme, dass beide Beträge so bleiben. Jahressonderzahlungen sind nicht eingerechnet; sie betragen nach TVöD für P 7 und nach TVHöD jeweils 90 Prozent eines Monatsentgelts. Nach dem Abschluss dreht sich das Verhältnis um: Schon die Eingangsstufe von P 11 liegt mit 4.586,53 € über der höchsten Stufe von P 7 (4.472,22 €).

Die Beträge im Studium hängen vom Tarif der Klinik ab, und viele Kliniken zahlen nach eigenen Regeln. Alle belegten Beträge stehen im Artikel zur Vergütung im Hebammenstudium, die Gehälter nach dem Studium im Artikel zum Gehalt als Hebamme.

Kinderkrankenpflege ohne zwölf Schuljahre

Hast Du eine Ausbildung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, aber keine zwölf Schuljahre, gibt es einen Haken für später. Deine Erlaubnisurkunde als Hebamme erhält dann den Hinweis, dass Deine Qualifikation nach der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie „nicht automatisch anerkannt“ wird (Anlage 6 HebStPrV). In Deutschland ändert das nichts, bei einem späteren Umzug in ein anderes EU-Land schon.

Was Du vor dem Wechsel planen solltest

Das Studium ist ein Vollzeitstudium. Jade Hochschule, OTH Regensburg, TU Dresden und htw saar schließen Teilzeit ausdrücklich aus, die Universitätsmedizin Mainz bietet nur Vollzeit an. Eine Stelle in der Pflege nebenher ist neben Vorlesungen und Schichtdienst in der Praxis kaum zu planen. Wer die Pflege nicht aufgeben will, findet im Studium zum Physician Assistant berufsbegleitende Formate; sie vergleicht der Artikel Physician Assistant nach der Pflegeausbildung.

Der Zeitplan richtet sich nach den Kliniken – und fast alle Studiengänge beginnen im Wintersemester. Einen Start im Sommersemester bietet nur die Hochschule Bochum, und auch dort nicht bei jeder Klinik. Die meisten Kliniken nehmen Bewerbungen zwischen Januar und März für einen Start im folgenden Herbst an, einige schon ab Oktober oder November des Vorjahres. Wer im Sommer kündigt und dann sucht, verliert ein Jahr. Wie die Bewerbung abläuft, steht im Artikel zur Bewerbung fürs Hebammenstudium.

Die ersten sechs Monate des Studiums sind Probezeit (§ 36 HebG). Eine Klausel, nach der Du nach dem Studium bei der Klinik bleiben musst, ist nichtig, ebenso eine Pflicht, für die Praxisausbildung zu zahlen (§ 41 HebG). Wer aus der Pflege lieber ins Medizinstudium wechseln möchte, findet die Regeln dafür im Ratgeber aus der Pflege ins Medizinstudium.

Quellen

Häufige Fragen

Eine Umschulung oder verkürzte Ausbildung gibt es nicht. Seit 2023 führt der einzige neue Weg in den Beruf über das duale Hebammenstudium mit mindestens sechs Semestern. Eine abgeschlossene Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege öffnet Dir aber den Zugang zum Studium auch ohne Abitur (§ 10 HebG).
Kaum. Das Gesetz beschreibt das Studium in Vollzeit mit mindestens 4.600 Stunden (§ 11 HebG), und Studiengänge wie an der Jade Hochschule, der OTH Regensburg, der TU Dresden und der htw saar schließen Teilzeit ausdrücklich aus. Dafür bekommst Du von der Klinik während des ganzen Studiums eine monatliche Vergütung.
Nur, wenn Deine Klinik eine verantwortliche Praxiseinrichtung einer Hochschule ist. Das kann nur ein Krankenhaus sein, das für die Versorgung nach § 108 SGB V zugelassen ist und mit der Hochschule kooperiert. Welche Krankenhäuser für welche Hochschule ausbilden, zeigt der Klinik-Finder.
Nach den belegten Tarifen nicht. Der Tarifvertrag für kommunale Krankenhäuser (TVHöD) zahlt allen Studierenden ab dem 1. Mai 2026 einheitlich 1.815 € im Monat, die TdL-Richtlinie der Länder ab dem 1. April 2026 1.610 €. Eine Stufe für frühere Berufsausbildungen sehen beide nicht vor.

Redaktion hebamme-studium.de

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