Hebamme Studium NC: Wo es Grenzwerte gibt und wo nicht

Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Stapel von Abiturzeugnissen

Einen NC haben die wenigsten Hebammenstudiengänge. Veröffentlichte Auswahlgrenzen gibt es für vier Studienorte: Münster (Note 2,0 im Wintersemester 2026/27), die Charité (Abiturquote 1,4 im Wintersemester 2025), die MLU Halle (1,5 am Standort Halle) und die TU Dresden, wo alle Bewerber zugelassen wurden. Der eigentliche Engpass im Hebammenstudium ist der Vertrag mit einer Klinik.

Die Frage „Welchen NC brauche ich?“ passt deshalb nur zu den Studiengängen, an denen die Hochschule auswählt. An den anderen entscheidet eine Klinik – und für diese Studiengänge ist keine Notengrenze veröffentlicht (Stand 19. Oktober 2026).

Warum die meisten Studiengänge keinen NC haben

Ein NC entsteht nur, wenn ein Studiengang zulassungsbeschränkt ist und die Bewerber nach Noten gereiht werden. Beim Hebammenstudium steuern meist die Kliniken die Zahl der Plätze, weil jeder Studienplatz einen Vertrag mit einem Krankenhaus voraussetzt. Die hessische Landesregierung schreibt das für ihr Land ausdrücklich: „Die Studiengänge der Hebammenkunde sind nicht zulassungsbeschränkt, so dass Studienplatzzahlen nicht festgesetzt sind“ (Drucksache 21/2137 vom 24. Juni 2025).

In anderen Ländern sieht es ähnlich aus. In Nordrhein-Westfalen steht von neun Hebammenstudiengängen nur Münster in der Zulassungszahlenverordnung für das Wintersemester 2026/27; die Hochschule Bochum ist seit dem Wintersemester 2024/25 zulassungsfrei. In den Zulassungszahlsatzungen 2026/27 der Universitäten Würzburg, Erlangen-Nürnberg und Augsburg sowie der OTH Regensburg kommt das Hebammenstudium nicht vor. Auch Göttingen, Oldenburg, Osnabrück, Leipzig, Jena und Fulda nennen ihre Studiengänge zulassungsfrei.

Die Angabe „zulassungsfrei, ohne NC“ im Hochschulkompass führt trotzdem in die Irre. Sie stimmt für die Hochschule. Den Platz bekommst Du aber erst mit einem Klinikvertrag, und um den konkurrierst Du mit anderen. Wie das abläuft, steht im Artikel zur Bewerbung fürs Hebammenstudium.

Hebamme Studium NC: die belegten Auswahlgrenzen

Vier Hochschulen wählen selbst aus und veröffentlichen ihre Grenzwerte. Die Werte stehen in der Übersicht; was dahinter steckt, folgt darunter.

Veröffentlichte Auswahlgrenzen im Hebammenstudium
StudienortSemesterQuoteGrenze
Charité BerlinWiSe 2025AbiturbestenquoteNote 1,4
Charité BerlinWiSe 2025Auswahl nach Punkten (AdH)900 Punkte
Charité BerlinWiSe 2025Wartezeit, 10 Wartesemester
Charité BerlinWiSe 2024AbiturbestenquoteNote 1,3
Charité BerlinWiSe 2024Auswahl nach Punkten (AdH)990 Punkte
Universität MünsterWS 2026/27örtliches AuswahlverfahrenNote 2,0
Universität MünsterWS 2025/26örtliches AuswahlverfahrenNote 2,1
TU DresdenWS 2026/27Leistungs- und Wartezeitquotealle zugelassen
TU DresdenWS 2025/26Leistungs- und Wartezeitquotealle zugelassen
Universität Halle-WittenbergWS 2026/27Standort Halle, AbiturbestenquoteNote 1,5
Universität Halle-WittenbergWS 2026/27Standort Halle, Wartezeit, 4 Wartesemester
Universität Halle-WittenbergWS 2026/27Standort Halle, Auswahlverfahren der Hochschule52 Punkte
Universität Halle-WittenbergWS 2026/27Standort Magdeburgalle zugelassen
Universität Halle-WittenbergWS 2025/26Standort Halle, AbiturbestenquoteNote 1,6
Universität Halle-WittenbergWS 2025/26Standort Magdeburgalle zugelassen

Nur Werte, die Hochschulen selbst veröffentlicht haben. An den übrigen Studienorten gibt es keine veröffentlichte Grenze, oft weil der Studiengang zulassungsfrei ist und die Klinik auswählt.

In Münster läuft die Vergabe über das Dialogorientierte Serviceverfahren von hochschulstart.de. Im Wintersemester 2026/27 reichte eine Note von 2,0, ein Jahr zuvor 2,1. Wer mindestens 308 Stunden hebammenspezifische Praxis nachweist, verbessert seine Note um 0,2 (Auswahlordnung vom 5. April 2023). Für 2023 nennt die Universität rund fünf Bewerber je Platz.

Die Charité vergibt die Plätze nach den Vorabquoten zu 60 Prozent über ein Auswahlverfahren der Hochschule, zu 20 Prozent nach Abiturnote und zu 20 Prozent nach Wartezeit. Im Auswahlverfahren gibt es für die Note 1,0 genau 900 Punkte, für jedes Zehntel darunter 30 weniger. Ein Praktikum im Tätigkeitsbereich der Hebamme von mindestens drei Monaten bringt 600 Punkte, ein Freiwilligendienst oder Ehrenamt 150, eine Fremdsprache auf C1 weitere 150. Im Wintersemester 2025 lag die Grenze bei 900 Punkten. Nach dieser Formel erreicht eine Abiturnote von 2,5 mit drei Monaten Praktikum 1.050 Punkte – mehr als 2025 nötig war. 401 Bewerbungen kamen damals auf 62 Plätze.

An der MLU Halle wählst Du zwischen zwei Praxisstandorten. Am Standort Halle lag die Abiturquote im Wintersemester 2026/27 bei 1,5, am Standort Magdeburg wurden alle Bewerber zugelassen. Im Auswahlverfahren zählen höchstens 80 Punkte für die Note und höchstens 20 für das Vorpraktikum, wobei der Kreißsaal am meisten bringt. Am Standort Halle lag die Grenze in diesem Verfahren bei 52 Punkten.

Die TU Dresden hat eine festgesetzte Zahl von 30 Plätzen und führt formal ein NC-Verfahren. Im Wintersemester 2026/27 kamen 50 Bewerbungen, und alle geeigneten Bewerber wurden zugelassen. Der Engpass liegt dort bei den Kliniken, bei denen Du Dich vorher bewirbst.

Wie stark die Grenzen schwanken

Ein einzelner Wert sagt wenig. An der Charité lag die Grenze in der Abiturquote 2022 bei 1,4, 2023 bei 1,9, 2024 bei 1,3 und 2025 wieder bei 1,4. Im Auswahlverfahren der Hochschule sprang sie von 600 Punkten (2023) auf 990 (2024) und fiel dann auf 900. Die Zahl der Bewerbungen schwankte im selben Zeitraum zwischen 259 und 401.

In Halle lag die Abiturquote im Wintersemester 2025/26 bei 1,6, ein Jahr später bei 1,5. Über die Wartezeit kam man 2025/26 mit sieben Wartesemestern und einer 2,4 hinein, 2026/27 schon mit vier Wartesemestern und einer 1,8. Plane deshalb nie mit dem Vorjahreswert als fester Grenze; er zeigt nur die Größenordnung.

Wo die Note zählt, ohne dass es einen NC gibt

An einigen Studienorten reiht die Hochschule nach Note, veröffentlicht aber keinen Grenzwert. Anderswo nutzt die Klinik die Note für eine Vorauswahl. Die Tabelle zeigt die belegten Fälle (Stand 19. Oktober 2026).

Studienort Rolle der Note Was zusätzlich zählt
MHH Hannover Rangliste nach Note für 90 Prozent der Plätze Bonus 0,3 für eine einschlägige Berufsausbildung, 0,1 für einen Dienst
Universität Tübingen Rangliste nach Note, „kein feststehender NC“ Bonus bis 0,5 laut Auswahlsatzung
KSH München bis 30 Punkte für die Note im Punktesystem Berufsausbildung, Freiwilligendienst, Motivationsschreiben, Auswahlgespräch
HAW Landshut Reihung nach Note, Grenze schwankt laut Hochschule „von Jahr zu Jahr recht stark“ Gespräche bei den Kliniken
Uni Würzburg Vorauswahl der Klinik nach Quartilen 60 Prozent der Einladungen aus dem besten Viertel, Praktikum ab zwei Wochen wirkt positiv
Universität zu Köln Punktesystem mit Note, Praktikum und Engagement die besten 75 kommen ins Gespräch
Uni Augsburg Einladung zum Interview nach Note und Vorerfahrung Interview am Uniklinikum

Einen festen Ausschlusswert nennt keiner dieser Studienorte. Eine schwächere Note macht die Einladung zum Gespräch aber unwahrscheinlicher – in Würzburg gehen nur 10 Prozent der Einladungen an das dritte Notenviertel, an das vierte keine.

Wo die Abiturnote gar nicht zählt

In Hamburg fließt die Note der Hochschulzugangsberechtigung seit 2025 nicht mehr ein. Es zählen nur der Test HAM-Mid mit bis zu 70 Punkten und das Interview Mid-Int mit bis zu 200 Punkten. Der Artikel zum HAM-Mid erklärt das Verfahren.

Freiburg reiht nach dem Ergebnis eines Studierfähigkeitstests, höchstens 120 Punkte, plus bis zu 60 Punkten für praktische Vorerfahrung. Die Abiturnote kommt in der Rangliste nicht vor. Die Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf schreibt schlicht: „Kein NC, entscheidend sind Motivation, Berufsinteresse und soziales Engagement.“

Was Bewerberzahlen verraten

Belegte Zahlen gibt es nur für wenige Orte. An der Charité kamen im Wintersemester 2025 auf 62 Plätze 401 Bewerbungen, an der TU Dresden im Wintersemester 2026/27 auf 30 Plätze 50. In Hessen meldete die Frankfurt UAS 233 Bewerber für das Wintersemester 2023/24 und 112 für 2024/25, bei jeweils 53 Anfängern; die Landesregierung weist darauf hin, dass Bewerber mehrfach gezählt sein können. Eine bundesweite Zahl der Bewerbungen ist nicht veröffentlicht.

Für Dich zählt deshalb weniger die Durchschnittsnote als die Frage, wie Du bei den Kliniken ankommst. Was die Auswahl dort ausmacht, steht im Artikel zum Auswahlverfahren.

Was Du mit einer schwächeren Note tun kannst

Erstens: Bewirb Dich dort, wo die Klinik auswählt oder die Note gar nicht zählt – also an den meisten Studienorten. Eine Übersicht mit dem Bewerbungsweg je Ort findest Du unter Studienorte.

Zweitens: Sammle Praxis. In Münster bringen 308 Stunden 0,2 Notenpunkte, an der Charité drei Monate Praktikum 600 Punkte, in Halle bis zu 20 Punkte, in Freiburg 20 bis 30 Punkte für ein Praktikum von vier bis sechs Wochen. Wie Du das Praktikum planst, steht im Artikel zum Vorpraktikum.

Drittens: Eine abgeschlossene Pflegeausbildung wiegt an manchen Orten schwer. Die MHH zieht 0,3 von der Note ab, in Freiburg bringt eine dreijährige Ausbildung in einem anerkannten Gesundheitsberuf die vollen 60 Punkte für Vorerfahrung. Mehr dazu im Artikel zum Quereinstieg aus der Pflege.

Quellen

Häufige Fragen

An der Charité lag die Grenze in der Abiturquote im Wintersemester 2025 bei 1,4, im Auswahlverfahren der Hochschule bei 900 Punkten. Ein Praktikum von mindestens drei Monaten bringt dort 600 Punkte und gleicht damit eine deutlich schwächere Note aus. Die Evangelische Hochschule Berlin veröffentlicht keinen Grenzwert, dort wählen die Kliniken aus.
An den meisten Studienorten schließt Dich die Note nicht aus, denn die meisten Studiengänge sind zulassungsfrei, und die Kliniken wählen nach Unterlagen und Gespräch aus. In Hamburg und Freiburg zählt die Abiturnote gar nicht. Schwer wird es dort, wo die Hochschule nach Note auswählt, etwa in Münster mit einer Grenze von 2,0 im Wintersemester 2026/27.
Ja. Sie ergeben sich aus der Zahl und den Noten der Bewerber eines Jahrgangs. In Münster lag die Grenze im Wintersemester 2025/26 bei 2,1 und ein Jahr später bei 2,0, an der Charité in der Abiturquote 2024 bei 1,3 und 2025 bei 1,4. Ein alter Wert ist deshalb nur eine Orientierung.
Nur dort, wo die Hochschule eine Wartezeitquote hat. An der Charité gehen nach den Vorabquoten 20 Prozent der Plätze nach Wartezeit, an der MLU Halle 10 Prozent, an der MHH ebenfalls 10 Prozent. Die veröffentlichten Kriterien der Kliniken in Erlangen und Würzburg enthalten keine Wartezeit.

Redaktion hebamme-studium.de

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