Hebamme Beruf: Aufgaben, Arbeitsorte und Zahlen

Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Ausrüstung einer Hebamme als Flat Lay

Hebamme ist ein Beruf mit eigenem Gesetz. Das Hebammengesetz beschreibt ihn als Beratung, Betreuung und Beobachtung von Frauen in Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit, dazu die selbständige Leitung normaler Geburten. Geburtshilfe dürfen außer Ärzten nur Hebammen leisten. Ende 2024 arbeiteten 11.447 Hebammen angestellt in Krankenhäusern, im Oktober 2025 waren 18.687 freiberuflich registriert.

Was der Beruf Hebamme laut Gesetz umfasst

§ 1 des Hebammengesetzes (HebG) ist kurz. Der Hebammenberuf umfasst danach „insbesondere die selbständige und umfassende Beratung, Betreuung und Beobachtung von Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburt, während des Wochenbetts und während der Stillzeit, die selbständige Leitung von physiologischen Geburten sowie die Untersuchung, Pflege und Überwachung von Neugeborenen und Säuglingen“.

Zwei Wörter tragen diesen Satz. „Selbständig“ heißt: Eine Hebamme braucht für eine regelrecht verlaufende Geburt – im Gesetz „physiologisch“ – keine ärztliche Anordnung. Und „insbesondere“ macht die Liste offen, sie zählt den Kern auf und nicht jede einzelne Tätigkeit.

Was Hebammen konkret können müssen, steht im Studienziel. § 9 Abs. 4 HebG nennt unter anderem, eine Schwangerschaft festzustellen, physiologische Geburten bei Schädellage durchzuführen, im Dringlichkeitsfall Steißgeburten durchzuführen, im Notfall bei Abwesenheit eines Arztes die Plazenta manuell zu lösen, Mutter und Neugeborenes im Notfall wiederzubeleben und Frauen und Familien bei Tot- und Fehlgeburten zu begleiten. Dazu kommen Familienplanungsberatung und Dokumentation.

Die Berufsbezeichnung ist geschützt. Wer „Hebamme“ führen will, braucht eine staatliche Erlaubnis (§ 5 Abs. 1 HebG); wer sich ohne sie so nennt, begeht eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld bis 3.000 € (§ 72). Die Bezeichnung gilt für alle Geschlechter (§ 3 Abs. 2). Warum es den Begriff Entbindungspfleger nur noch für alte Erlaubnisse gibt, erklärt ein eigener Artikel.

Geburtshilfe ist eine vorbehaltene Tätigkeit

§ 4 HebG ist die Vorschrift, die den Beruf am stärksten prägt. Absatz 1 sagt: „Zur Leistung von Geburtshilfe sind außer Ärztinnen und Ärzten nur Personen mit einer Erlaubnis nach diesem Gesetz berechtigt. Dies gilt nicht für Notfälle.“

Was Geburtshilfe ist, legt Absatz 2 fest. Gemeint sind drei Dinge: die Überwachung des Geburtsvorgangs von Beginn der Wehen an, die Hilfe bei der Geburt und die Überwachung des Wochenbettverlaufs.

Absatz 3 dreht die Perspektive um. „Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass bei einer Geburt eine Hebamme zugezogen wird.“ Das Gesetz unterscheidet dabei nicht zwischen Klinik und Hausgeburt. Außer im Notfall sieht es keine Geburt ohne Hebamme vor.

Hebammen und Ärzte teilen sich die Geburtshilfe also, sie ersetzen einander nicht. Wie die ärztliche Seite aussieht, beschreiben zwei Berufsporträts im Portalnetz: wie Frauenärzte in der Geburtshilfe arbeiten und was ein Perinatalmediziner bei Risikoschwangerschaften und Frühgeburten macht.

Wo Hebammen arbeiten: Klinik, Beleg, freiberuflich, Geburtshaus

Die amtlichen Zahlen kommen aus zwei Quellen, die verschieden zählen. Destatis erfasst das Personal der Krankenhäuser, der GKV-Spitzenverband die freiberuflichen Hebammen, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen dürfen.

Arbeitsform Zahl Stand Quelle
angestellt im Krankenhaus 11.447 in 556 Krankenhäusern, davon 8.541 in Teilzeit 31.12.2024 Destatis, Grunddaten der Krankenhäuser
Beleghebammen 1.433 in 121 Krankenhäusern 31.12.2024 Destatis, Grunddaten der Krankenhäuser
freiberuflich (GKV-Vertragspartnerliste) 18.687 Oktober 2025 GKV-Spitzenverband
von Hebammen geleitete Einrichtungen (Geburtshäuser) 121 Oktober 2025 GKV-Spitzenverband

Addieren darf man die Zeilen nicht. Beleghebammen arbeiten freiberuflich und tauchen deshalb auch in der GKV-Zählung auf. Ob jemand angestellt ist und zusätzlich freiberuflich arbeitet, weist keine der beiden Statistiken aus. Eine frei zugängliche Gesamtzahl aller Hebammen veröffentlicht Destatis nicht.

Angestellt im Krankenhaus

Die Klinik ist der Ort, an dem fast alle Kinder zur Welt kommen. 2024 entbanden laut Destatis 654.600 Frauen im Krankenhaus, 33,0 Prozent per Kaiserschnitt. Außerhalb der Klinik, etwa zu Hause oder im Geburtshaus, kamen im selben Jahr 12.932 Kinder zur Welt (GKV-Auswertung nach Destatis und QUAG e.V.), das sind rund 1,9 Prozent aller Geburten.

Auffällig ist der Teilzeitanteil. Von den 11.447 angestellten Klinik-Hebammen arbeiteten 8.541 in Teilzeit – 74,6 Prozent. Männer sind die Ausnahme: 35 der angestellten Hebammen waren Männer.

Bezahlt wird nach dem Tarif des Hauses. In kommunalen Krankenhäusern gilt der TVöD; Hebammen mit Hochschulabschluss sind dort seit 01.01.2025 in Entgeltgruppe P 11 eingruppiert, Stufe 2 bringt seit 01.05.2026 4.419,71 € brutto im Monat. Die Einzelheiten stehen in den Artikeln zum Hebammengehalt und zur Entgeltgruppe P 11 im TVöD.

Beleghebamme

Beleghebammen begleiten Geburten im Krankenhaus – angestellt sind sie dort aber nicht. Sie rechnen ihre Leistungen selbst mit den Krankenkassen ab. Der Hebammenhilfevertrag vergütet die Hilfe bei Wehen und Geburt als Beleghebamme mit 4,95 € je abgeschlossene fünf Minuten, bei Eins-zu-eins-Betreuung kommen 2,17 € je Einheit dazu (Fassung ab 01.04.2026).

Laut Destatis waren 2024 11,1 Prozent der Hebammen in Krankenhäusern Belegkräfte. Der GKV-Spitzenverband beobachtet, dass einige Beleghebammen ins Angestelltenverhältnis wechseln, und vermutet als Grund die Tarifsteigerungen der letzten Jahre.

Freiberuflich außerhalb der Klinik

Die meisten freiberuflichen Hebammen begleiten keine Geburten. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands bieten etwa drei Viertel keine Geburtshilfe an, nur rund ein Viertel auch Geburten. Das hat einen handfesten Grund: Die Berufshaftpflicht mit Geburtshilfe kostet „sehr viel mehr“ als die ohne, die bei einigen hundert Euro im Jahr liegt.

Für Hausbesuche im Wochenbett zahlt die Krankenkasse 6,19 € je fünf Minuten, hochgerechnet 74,28 € je Stunde. Eine Hausgeburt bringt eine Grundpauschale von 738,75 €, dazu 1,86 € je fünf Minuten Hilfe bei Wehen und Geburt; für eine Geburt im Geburtshaus beträgt die Grundpauschale 626,38 €. Das ist Umsatz und kein Einkommen, Kosten wie die Berufshaftpflicht gehen davon ab. Was am Ende bleibt, zeigt der Artikel Was verdient eine freiberufliche Hebamme?.

Der Weg in die Freiberuflichkeit hat vier Schritte: Anmeldung bei der Gesundheitsbehörde (in NRW die Bezirksregierung), Berufshaftpflicht, Institutionskennzeichen und Beitritt zum Hebammenhilfevertrag, der nicht rückwirkend gilt. Wie das abläuft, steht unter freiberufliche Hebamme werden, was sich 2026 an der Vergütung geändert hat, unter Hebammenhilfevertrag 2026.

Geburtshaus

Der GKV-Spitzenverband zählte im Oktober 2025 bundesweit 121 von Hebammen geleitete Einrichtungen. Im Studium sind Geburtshäuser und freiberufliche Hebammen Einsatzorte: Mindestens 480 der 2.200 Praxisstunden finden ambulant statt. Den Vertrag schließen Studierende aber immer mit einem Krankenhaus – verantwortliche Praxiseinrichtung kann nach § 15 Abs. 2 HebG nur ein Krankenhaus sein. Wie die Praxiseinsätze im Hebammenstudium verteilt sind, steht im eigenen Artikel.

Wie man den Beruf heute lernt

Eine Fachschulausbildung zur Hebamme kann seit dem 31.12.2022 nicht mehr beginnen (§ 77 HebG). Wer heute anfängt, studiert dual: sechs bis acht Semester, mindestens 4.600 Stunden, davon mindestens je 2.200 an der Hochschule und in der Praxis (§ 11 HebG). Am Ende stehen der Bachelor und die staatliche Prüfung; erst danach erteilt das Land die Erlaubnis nach § 5. Den Weg dorthin zeigt Hebamme werden in fünf Schritten, Ablauf und Abschluss des Hebammenstudiums stehen im Überblick.

Ob sich der Beruf langfristig lohnt, hängt an Geburtenzahlen, Personal und Nachwuchs. Diese Zahlen stehen nebeneinander im Artikel Ist Hebamme ein Beruf mit Zukunft?.

Du suchst selbst eine Hebamme?

Dieses Portal beantwortet Fragen zu Studium und Beruf, es berät keine Schwangeren. Freiberufliche Hebammen in Deiner Nähe findest Du in der Hebammenliste des GKV-Spitzenverbands, die alle zur Abrechnung mit den Krankenkassen zugelassenen freiberuflichen Hebammen enthält und monatlich aktualisiert wird.

Quellen

Häufige Fragen

Ja, bei einer physiologischen, also regelrecht verlaufenden Geburt. Das Hebammengesetz zählt die selbständige Leitung physiologischer Geburten ausdrücklich zum Beruf. Bei Komplikationen arbeiten Hebammen mit Ärzten zusammen; umgekehrt muss ein Arzt bei jeder Geburt dafür sorgen, dass eine Hebamme hinzugezogen wird.
Die angestellte Hebamme hat einen Arbeitsvertrag mit dem Krankenhaus und wird nach dessen Tarif bezahlt. Die Beleghebamme arbeitet freiberuflich, betreut Geburten aber im Krankenhaus und rechnet ihre Leistungen selbst mit den Krankenkassen nach dem Hebammenhilfevertrag ab. Sie trägt auch ihre Berufshaftpflicht selbst.
Eine frei zugängliche amtliche Gesamtzahl gibt es nicht. Destatis zählte Ende 2024 in den Krankenhäusern 11.447 angestellte Hebammen und 1.433 Beleghebammen, der GKV-Spitzenverband führte im Oktober 2025 18.687 freiberufliche Hebammen. Die Zahlen überschneiden sich und lassen sich nicht addieren.
Nur noch über ein duales Hochschulstudium von sechs bis acht Semestern mit Vertrag bei einer Klinik. Am Ende stehen ein Bachelor und die staatliche Prüfung, danach erteilt das Land die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung Hebamme zu führen. Neue Fachschulausbildungen beginnen seit Ende 2022 nicht mehr.

Redaktion hebamme-studium.de

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