Kind will Hebamme werden: Ratgeber für Eltern

Von der RedaktionAktualisiert am 4. November 20266 Min. Lesezeit

Buntstifte und eine Kinderzeichnung

Wenn Dein Kind Hebamme werden will, führt der Weg nur über ein duales Studium von sechs bis acht Semestern. Wichtigster Termin: An 31 von 47 Studiengängen bewirbt es sich zuerst bei einer Klinik, meist zwischen Januar und März, sieben bis zwölf Monate vor Studienbeginn. Studiengebühren fallen an staatlichen Hochschulen nicht an, die Klinik zahlt eine Vergütung.

Der Weg in fünf Minuten

Die Ausbildung an der Hebammenschule gibt es für Neuanfänger nicht mehr; sie konnte nur beginnen, wer vor dem 31.12.2022 angefangen hat (§ 77 Hebammengesetz). Heute sieht der Weg so aus:

  1. Am Anfang steht der Schulabschluss. Nötig sind zwölf Jahre allgemeine Schule, also in der Regel das Abitur, an manchen Studienorten auch die Fachhochschulreife. Alternativ öffnet eine abgeschlossene Pflegeausbildung den Zugang (§ 10 HebG).
  2. Vor der Bewerbung kommt das Vorpraktikum. Die meisten Studienorte verlangen oder belohnen ein Praktikum in der Geburtshilfe, meist zwei bis vier Wochen. In Münster muss es mit 154 Stunden schon bei der Bewerbung abgeschlossen sein.
  3. Dann folgt die Bewerbung. Dein Kind braucht zwei Zusagen: einen Vertrag mit einer Klinik und einen Studienplatz. Der Vertrag wird erst wirksam, wenn die Studienplatzzusage vorliegt (§ 29 HebG).
  4. Das Studium umfasst mindestens 4.600 Stunden, davon mindestens 2.200 in der Praxis, im Wechsel zwischen Hochschule, Krankenhaus und freiberuflichen Hebammen. Dazu gehören mindestens 40 Geburten, die die Studierenden selbst leiten.
  5. Am Ende stehen der Bachelor und die staatliche Prüfung. Danach erteilt das Land die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung Hebamme zu führen.

Ausführlich beschreibt das der Artikel Hebamme werden in fünf Schritten; welche Unterlagen und Nachweise dazugehören, steht unter Voraussetzungen fürs Hebammenstudium. Für das Praktikum lohnt ein Blick auf die Regeln je Studienort im Artikel zum Vorpraktikum, denn zwischen „nicht verlangt“ und 160 Stunden (Uni Köln) ist alles dabei.

Warum die Bewerbung im Winter startet

Bei vielen Studiengängen läuft es so: Abitur im Frühjahr, Bewerbung im Sommer, Start im Oktober. Beim Hebammenstudium geht das an den meisten Orten schief. Bei 31 der 47 primärqualifizierenden Studiengänge bewirbt man sich zuerst bei einer Klinik, die als verantwortliche Praxiseinrichtung den Vertrag schließt, und erst danach bei der Hochschule.

Die Kliniken suchen ihre Studierenden früh aus – für den Start im Oktober 2027 teils schon ab November 2026. Für den Studienstart im Wintersemester 2027/28 sind unter anderem diese Fristen veröffentlicht (Stand 19.10.2026):

Klinik (Studienort) Bewerbungszeitraum für WS 2027/28
Universitätsmedizin Göttingen (HAWK Göttingen) 01.11.2026 bis 07.03.2027
Klinikum Osnabrück (Hochschule Osnabrück) 15.11.2026 bis 31.01.2027
Universitätsmedizin Mainz (Universität Mainz) 01.01.2027 bis 31.03.2027
Universitätsklinikum Erlangen (FAU) 19.02.2027 bis 31.03.2027, Bewerbertag 11.05.2027
Kliniken der HWG Ludwigshafen 01.02.2027 bis 31.03.2027

Wer erst im Sommer nach dem Abitur sucht, ist an diesen Orten ein Jahr zu spät. Anders ist es an den 13 Studiengängen, bei denen man sich zuerst an der Hochschule bewirbt, etwa in Münster, an der MHH in Hannover oder an der Charité; dort enden die Fristen meist am 15. Juli. Hamburg hat ein eigenes Verfahren mit Auswahltest; im Zyklus 2026 lief die Anmeldung vom 01.01. bis 01.02.2026, die Termine für 2027 sind noch nicht veröffentlicht.

Praktisch heißt das: Spätestens zu Beginn des letzten Schuljahres sollte Dein Kind wissen, wo es sich bewerben will, und das Praktikum geplant haben. Alle Fristen sammelt der Artikel Bewerbungsfristen 2027, den Ablauf erklärt die Seite zur Bewerbung.

Geld: Vergütung statt Studiengebühren

Finanziell ist das Hebammenstudium anders gebaut als die meisten Studiengänge: Es gibt eine Vergütung. Die Klinik muss vom Beginn des Studiums bis zum Vertragsende „eine angemessene monatliche Vergütung“ zahlen (§ 34 HebG). Die Höhe folgt aus dem Tarif der Klinik: Kommunale Krankenhäuser zahlen nach dem TVHöD seit 01.05.2026 1.815 € im Monat, Unikliniken der Länder nach der TdL-Richtlinie seit 01.04.2026 1.610 € (ab 01.03.2027 1.670 €).

Vergütung im Hebammenstudium nach Tarif (monatlich, brutto)
TarifGilt fürBetragStand
TVHöDStudierende mit Vertrag nach HebG bei kommunalen Krankenhäusern, die Mitglied eines VKA-Mitgliedverbands und an den TVöD gebunden sind (§ 1 TVHöD)1.815 €ab 01.05.2026
TdL-RichtlinieUniversitätskliniken und Landeskrankenhäuser der Länder in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder; für das Hebammenstudium gilt Abschnitt II mit Maßgaben verbindlich1.610 €ab 01.04.2026
AVR DWBOEinrichtungen der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz; Anlage 10a Nr. III nennt ausdrücklich Ausbildungen „nach dem HebammenG“1. Jahr West: 1.472,18 € · 2. Jahr West: 1.566,14 € · 3. Jahr West: 1.691,44 € · 4. Jahr West: 1.817,95 € · 1. Jahr Ost: 1.529,52 € · 2. Jahr Ost: 1.627,16 € · 3. Jahr Ost: 1.757,33 € · 4. Jahr Ost: 1.888,77 €ab 01.07.2026
AVR CaritasEinrichtungen der Caritas; Abschnitt G § 5 Abs. 1: Die akademische Hebammenausbildung nach dem HebG ist ein praxisintegriertes Studium im Gesundheits- und Pflegewesen1. Jahr: 1.490,69 € · 2. Jahr: 1.552,07 € · 3. Jahr: 1.653,38 € · 4. Jahr: 1.815 €
UM MainzStudierende mit Vertrag bei der Universitätsmedizin Mainz (nicht Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein Koblenz)1. Jahr: 1.534,51 € · 2. Jahr: 1.608,99 € · 3. Jahr: 1.728,95 €19.10.2026
UKSHStudierende der Universität zu Lübeck mit Vertrag beim UKSH (Kiel oder Lübeck); andere verantwortliche Praxiseinrichtungen können abweichen1. Jahr: 1.440 € · 2. Jahr: 1.506 € · 3. Jahr: 1.613 € · 4. Jahr: 1.613 €19.10.2026

Quellen und Rechenweg: Methodik. Selbst rechnen: Gehaltsrechner.

Das Gesetz schützt die Studierenden vor versteckten Kosten. Fachbücher, Instrumente und Apparate stellt die Klinik kostenlos (§ 32 Abs. 1 Nr. 4). Nichtig sind Vereinbarungen, nach denen die Studierenden für die praktische Ausbildung eine Entschädigung zahlen, Vertragsstrafen und Klauseln, die sie nach dem Studium an das Haus binden (§ 41 HebG). Eine Bleibeklausel ist nur möglich, wenn in den letzten drei Monaten ein Arbeitsvertrag für die Zeit danach geschlossen wird.

Studiengebühren verlangen private Hochschulen. Die Übersicht zeigt die Beträge wie in der Quelle pro Monat und zusätzlich pro Semester:

Hochschule pro Monat pro Semester Stand
staatliche Hochschulen keine Studiengebühr, nur Semesterbeitrag (z. B. Jade Hochschule 434,80 €) – 19.10.2026
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf 498 € im ersten Jahr, danach jährlich plus 2 % 2.988 € im ersten Jahr 19.10.2026
FHM Hannover 820 € (gesamt 34.940 € inklusive 500 € Abschlussprüfung) 4.920 € 19.10.2026

Ob die Klinik Studiengebühren übernimmt, hängt vom Tarif ab. Der TVHöD erlaubt eine solche Vereinbarung, verlangt sie aber nicht; nach der TdL-Richtlinie für Unikliniken übernimmt der Ausbildende notwendige Studiengebühren. Bei der Fliedner Fachhochschule zahlen die Partnerkliniken nach Angabe der Hochschule rund 950 bis 1.140 € Vergütung. Mehr dazu unter Vergütung im Hebammenstudium.

Vertrag und Rechte bei Minderjährigen

Manche beginnen das Studium vor dem 18. Geburtstag – für diesen Fall hat das Hebammengesetz eine eigene Vorschrift. § 30 HebG lautet: „Der Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung ist bei Minderjährigen gemeinsam von dem Minderjährigen und deren gesetzlichen Vertretern zu schließen. Eine Vertragsurkunde ist der studierenden Person und deren gesetzlichen Vertretern auszuhändigen.“

Du unterschreibst als gesetzlicher Vertreter also mit und bekommst eine eigene Vertragsurkunde. Der Vertrag muss schriftlich auf Papier geschlossen werden; die elektronische Form ist ausdrücklich ausgeschlossen (§ 27 Abs. 2). Die KSH München verlangt schon bei der Bewerbung die Einwilligung der Eltern, wenn Bewerbende jünger als 18 sind.

Beim gemeinsamen Lesen lohnt der Blick auf die Pflichtangaben nach § 28 HebG: Studienbeginn, Praxisplan, regelmäßige Ausbildungszeit und Höhe der Vergütung. Die ersten sechs Monate sind Probezeit, in der beide Seiten ohne Frist kündigen können. Danach kann Dein Kind mit vier Wochen zum Monatsende kündigen, die Klinik nur noch aus wichtigem Grund (§§ 36, 38). Was sonst im Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung steht, erklärt ein eigener Artikel.

Vor Vertragsbeginn verlangen die Kliniken außerdem Nachweise, meist ein erweitertes Führungszeugnis und eine ärztliche Bescheinigung. Wer nach 1970 geboren ist und im Krankenhaus tätig wird, muss einen Masernschutz nachweisen (§ 20 Abs. 8 in Verbindung mit § 23 Abs. 3 Infektionsschutzgesetz).

Zahlen zum Beruf

Hebamme ist ein kleiner, gesetzlich geschützter Beruf. Geburtshilfe dürfen außer Ärzten nur Hebammen leisten, und bei jeder Geburt muss eine Hebamme hinzugezogen werden (§ 4 HebG). Ende 2024 arbeiteten 11.447 Hebammen angestellt in Krankenhäusern, im Oktober 2025 waren 18.687 freiberuflich bei den Krankenkassen registriert. Im Wintersemester 2025/26 studierten 6.457 Menschen Hebammenwissenschaft, 1.643 davon im ersten Fachsemester.

Beim Einstieg zahlt der TVöD in kommunalen Krankenhäusern seit 01.05.2026 4.419,71 € brutto im Monat (Entgeltgruppe P 11, Stufe 2). Zum Bild gehört auch die Zahl der Geburten: 2025 kamen mit 654.241 Geburten so wenige Kinder zur Welt wie nie seit dem Krieg. Was das für die Aussichten bedeutet, ordnet der Artikel Ist Hebamme ein Beruf mit Zukunft? ein, die Arbeitsorte beschreibt Hebamme Beruf.

Der Beruf steht übrigens allen offen – auch Söhnen. Die Berufsbezeichnung „Hebamme“ gilt für alle Geschlechter (§ 3 Abs. 2 HebG); im Wintersemester 2025/26 waren 71 der Studierenden Männer.

Wer als Eltern auch andere Gesundheitsberufe vergleicht, findet ähnliche Hinweise im Ratgeber für Eltern zur Physiotherapie-Ausbildung und in den Infos für Eltern zum Physician-Assistant-Studium.

Quellen

Häufige Fragen

An staatlichen Hochschulen fallen keine Studiengebühren an, nur der Semesterbeitrag. Private Hochschulen verlangen Gebühren, die Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf 498 € und die FHM in Hannover 820 € im Monat (Stand Oktober 2026). Gleichzeitig zahlt die Klinik während des ganzen Studiums eine Vergütung.
Die meisten Hebammenstudiengänge haben keinen NC. Der Engpass ist der Vertrag mit einer Klinik, die ihre Studierenden nach Unterlagen und Gesprächen auswählt. Nur wo die Hochschule selbst nach Note auswählt, etwa in Münster oder an der Charité, gibt es veröffentlichte Auswahlgrenzen.
Die frühere Ausbildung an Hebammenschulen kann seit Ende 2022 nicht mehr begonnen werden. Heute führt nur das duale Studium in den Beruf: Es endet mit Bachelor und staatlicher Prüfung, die Praxis findet in Kliniken und bei freiberuflichen Hebammen statt.
Mit Realschulabschluss allein nicht. Das Gesetz verlangt zwölf Jahre allgemeine Schulbildung oder eine abgeschlossene Pflegeausbildung, je nach Studienort reicht auch die Fachhochschulreife. Wer nach der zehnten Klasse abgeht, kann also über eine Pflegeausbildung später ins Studium wechseln.

Redaktion hebamme-studium.de

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