Mit 40 Hebamme werden: Zugang, Geld, Familie

Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Parkweg im Herbst mit Tasche auf der Bank

Mit 40 Hebamme werden ist rechtlich ohne Weiteres möglich: Das Hebammengesetz nennt keine Altersgrenze, nicht für den Zugang zum Studium und nicht für die Berufserlaubnis. Auch ohne Abitur führt ein Weg hinein, über eine Pflegeausbildung oder über Berufserfahrung nach Landesrecht. Dafür studierst Du dual in Vollzeit und bekommst eine Vergütung, in kommunalen Kliniken 1.815 € im Monat.

Keine Altersgrenze im Hebammengesetz

Wer Hebamme werden will, muss nach § 10 Abs. 1 HebG vier Dinge mitbringen. Einen Abschluss, nämlich zwölf Jahre allgemeine Schule oder eine abgeschlossene Pflegeausbildung. Kein Verhalten, aus dem sich Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit ergibt. Gesundheitliche Eignung. Und die Deutschkenntnisse, die das Studium erfordert.

Für die spätere Erlaubnis, die Berufsbezeichnung zu führen, wiederholt § 5 Abs. 2 dieselbe Logik: bestandenes Studium mit staatlicher Prüfung, Zuverlässigkeit, Gesundheit, Sprache. Ein Lebensalter taucht in beiden Vorschriften nicht auf – auch kein Mindestalter. Auch im übrigen Gesetz und in der Studien- und Prüfungsverordnung steht keine Altersgrenze; der einzige Altersbezug ist § 30 HebG, der regelt, wie Minderjährige den Vertrag mit der Klinik schließen.

Die Länder dürfen den Zugang an weitere Voraussetzungen knüpfen (§ 10 Abs. 2). Eine Höchstaltersgrenze findet sich in den veröffentlichten Zugangsregeln der Studienorte nicht. Was Kliniken verlangen, ist eine ärztliche Bescheinigung der gesundheitlichen Eignung, an der Universitätsmedizin Göttingen etwa eine betriebsärztliche Untersuchung. Das gilt für 19-Jährige genauso wie für 45-Jährige.

Eine Abkürzung gibt es allerdings auch für Ältere nicht. Die Hebammenausbildung an der Fachschule konnte nur beginnen, wer vor dem 31.12.2022 angefangen hat (§ 77 HebG). Seitdem ist der Weg ins Hebammenstudium der einzige.

Ohne Abitur: Pflegeausbildung oder Berufserfahrung

Viele, die mit 30 oder 40 umsteigen, haben einen Beruf, aber kein Abitur. Das Hebammengesetz kennt dafür einen eigenen Zugang: Eine abgeschlossene Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ersetzt die zwölf Schuljahre (§ 10 Abs. 1 Nr. 1 b). Die Altenpflege steht nicht in dieser Liste.

Wer aus einem anderen Beruf kommt, etwa als Medizinische Fachangestellte, braucht den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte nach dem Hochschulrecht des Landes. Hier unterscheiden sich die Studienorte stark, und manche verlangen auch von Pflegekräften mehr als das Bundesgesetz – etwa zusätzliche Berufsjahre.

Studienort Zugang ohne Hochschulreife (Stand 19.10.2026)
MHH Hannover Berufsausbildung, u. a. Pflege, MFA oder OTA, plus 3 Jahre Berufserfahrung
Hochschule Bochum Aufstiegsfortbildung oder mindestens zweijährige Ausbildung plus 3 Jahre Berufstätigkeit; Zugangsprüfung oder Probestudium
Jade Hochschule Oldenburg 3 Jahre Berufserfahrung nach einer Ausbildung in ausgewählten Berufen
HAW Hamburg mit UKE Berufsausbildung plus 3 Jahre und Eingangsprüfung nach § 38 HmbHG; Meister oder Fachwirt gelten als Hochschulzugang
Hochschule Bremen Pflegeausbildung plus 5 Jahre Berufstätigkeit, erstes Jahr auf Probe
Universität Rostock Zugangsprüfung nach 5 Jahren fachnaher Berufstätigkeit oder Ausbildung plus 3 Jahre Tätigkeit
TU Dresden mindestens zweijährige Pflegeausbildung plus 3 Jahre Berufserfahrung, Beratungsgespräch und Hochschulzugangsprüfung
DHBW Karlsruhe Krankenpflegeexamen plus 3 Jahre Berufserfahrung und berufliche Eignungsprüfung
KSH München beruflich Qualifizierte nur mit Ausbildung in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege
htw saar Probestudium oder Zugangsprüfung für Pflegefachberufe (mittlerer Abschluss und Berufsabschluss mit Note bis 2,5)

Die Tabelle ist eine Auswahl. Welche Regel an Deinem Wunschort gilt, steht auf der jeweiligen Seite unter Hochschulen; die Grundlagen erklärt der Artikel Hebamme studieren ohne Abitur. Zwei Punkte betreffen vor allem Pflegekräfte. Die Pflegeausbildung verkürzt das Studium nicht – Gesetz und Verordnung kennen keine Anrechnung. Und wer über die Kinderkrankenpflege ohne zwölf Schuljahre ins Studium kommt, erhält später keine automatische Anerkennung in anderen EU-Staaten (Anlage 6 HebStPrV). Mehr dazu unter Quereinstieg aus der Pflege.

Wo Berufserfahrung und Familienarbeit zählen

Einige Auswahlverfahren belohnen genau das, was ältere Bewerber mitbringen. An der MHH verbessert eine einschlägige Berufsausbildung die Note um 0,3, bis zu 10 Prozent der Plätze sind für beruflich Qualifizierte vorgesehen. Die KSH München vergibt Punkte für eine Berufsausbildung (4), für Kindererziehung (3) und für die Pflege von Angehörigen (3). An der Charité gibt es eine Vorabquote von 5 Prozent für beruflich Qualifizierte. In Freiburg zählt eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf als praktische Vorerfahrung.

In Hamburg spielt die Abiturnote seit 2025 keine Rolle mehr. Dort entscheiden der Test HAM-Mid und das Interview Mid-Int, in dem auch praktische Erfahrung bewertet wird. Auch in Freiburg zählt die Note nicht – dort kommt es auf einen Studierfähigkeitstest und die praktische Vorerfahrung an. Für alle, deren Zeugnis zwanzig Jahre alt ist, kann das ein Vorteil sein.

An den meisten Studienorten wählt allerdings die Klinik aus, und ihre Kriterien sind fast nirgends veröffentlicht.

Vergütung statt BAföG

Im Hebammenstudium hast Du einen Vertrag mit der Klinik und bekommst Geld. Die Klinik zahlt nach § 34 HebG vom ersten Studientag bis zum Vertragsende „eine angemessene monatliche Vergütung“. Den Betrag legt das Gesetz nicht fest, er folgt aus dem Tarif der Klinik.

Vergütung im Hebammenstudium nach Tarif (monatlich, brutto)
TarifGilt fürBetragStand
TVHöDStudierende mit Vertrag nach HebG bei kommunalen Krankenhäusern, die Mitglied eines VKA-Mitgliedverbands und an den TVöD gebunden sind (§ 1 TVHöD)1.815 €ab 01.05.2026
TdL-RichtlinieUniversitätskliniken und Landeskrankenhäuser der Länder in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder; für das Hebammenstudium gilt Abschnitt II mit Maßgaben verbindlich1.610 €ab 01.04.2026
AVR DWBOEinrichtungen der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz; Anlage 10a Nr. III nennt ausdrücklich Ausbildungen „nach dem HebammenG“1. Jahr West: 1.472,18 € · 2. Jahr West: 1.566,14 € · 3. Jahr West: 1.691,44 € · 4. Jahr West: 1.817,95 € · 1. Jahr Ost: 1.529,52 € · 2. Jahr Ost: 1.627,16 € · 3. Jahr Ost: 1.757,33 € · 4. Jahr Ost: 1.888,77 €ab 01.07.2026
AVR CaritasEinrichtungen der Caritas; Abschnitt G § 5 Abs. 1: Die akademische Hebammenausbildung nach dem HebG ist ein praxisintegriertes Studium im Gesundheits- und Pflegewesen1. Jahr: 1.490,69 € · 2. Jahr: 1.552,07 € · 3. Jahr: 1.653,38 € · 4. Jahr: 1.815 €
UM MainzStudierende mit Vertrag bei der Universitätsmedizin Mainz (nicht Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein Koblenz)1. Jahr: 1.534,51 € · 2. Jahr: 1.608,99 € · 3. Jahr: 1.728,95 €19.10.2026
UKSHStudierende der Universität zu Lübeck mit Vertrag beim UKSH (Kiel oder Lübeck); andere verantwortliche Praxiseinrichtungen können abweichen1. Jahr: 1.440 € · 2. Jahr: 1.506 € · 3. Jahr: 1.613 € · 4. Jahr: 1.613 €19.10.2026

Quellen und Rechenweg: Methodik. Selbst rechnen: Gehaltsrechner.

Die Spanne ist groß – je nach Träger. Kommunale Kliniken zahlen nach dem TVHöD seit 01.05.2026 einheitlich 1.815 € im Monat, Unikliniken der Länder nach der TdL-Richtlinie seit 01.04.2026 1.610 €, ab 01.03.2027 1.670 €. Einzelne Partner der Fliedner Fachhochschule zahlen dagegen rund 950 bis 1.140 €. Was davon netto ankommt, zeigt der Artikel Hebamme Gehalt netto, alle Tarife stehen unter Vergütung im Hebammenstudium.

BAföG spielt daneben kaum eine Rolle. Das Gesetz rechnet die Vergütung aus einem Ausbildungsverhältnis voll an (§ 23 Abs. 3 BAföG), und der monatliche Grundbedarf für Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen, liegt bei 475 € plus 380 € für die Unterkunft (§ 13 BAföG). Die BAföG-Altersgrenze von 45 Jahren bei Beginn (§ 10 Abs. 3 BAföG) ist für das Hebammenstudium deshalb selten die entscheidende Frage.

Wer aus einem gut bezahlten Beruf kommt, muss für dreieinhalb oder vier Jahre mit deutlich weniger auskommen. An staatlichen Hochschulen zahlst Du in der Regel nur den Semesterbeitrag, an der Jade Hochschule zum Beispiel 434,80 €. Private Hochschulen kosten mehr: Die Fliedner Fachhochschule nennt 498 € im Monat im ersten Jahr, die FHM in Hannover 820 € im Monat.

Familie und Schichtdienst

Das Gesetz beschreibt das Studium in Vollzeit (§ 11 Abs. 1 HebG). Die TU Dresden rechnet mit 40 Stunden pro Woche, Theorie und Praxis wechseln dort in Blöcken von fünf bis sechs Wochen. Für den berufspraktischen Teil an der Medizinischen Universität Lausitz nennt die Klinik 39 Stunden pro Woche und 30 Urlaubstage.

In den Praxisphasen arbeitest Du in der Regel im Schichtdienst der Klinik; die Medizinische Universität Lausitz nennt ausdrücklich Schicht- und Wechselschichtzulagen. Der Tarifvertrag für kommunale Häuser regelt einen Nachtzuschlag von mindestens 1,28 € pro Stunde und ab dem zweiten Studienjahr einen zusätzlichen Urlaubstag für Schichtdienst. Hinzu kommen mindestens 480 Stunden bei freiberuflichen Hebammen oder in Geburtshäusern. In Mainz rotieren die Studierenden durch mehrere Kooperationskliniken, in Bremen ist ein Auslandssemester Pflicht.

Für Eltern heißt das: Kinderbetreuung muss auch früh, spät und an Wochenenden funktionieren. Eine eigene Seite zum Studieren mit Kind hat zum Beispiel die Universität Rostock.

Ein Sicherheitsnetz gibt es. Nach der Probezeit von sechs Monaten kannst Du den Vertrag mit vier Wochen Frist zum Monatsende kündigen, und eine Vereinbarung, nach der Du für die praktische Ausbildung eine Entschädigung zahlen musst, wäre nichtig (§§ 36, 38, 41 HebG). Die Einzelheiten stehen unter Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung.

Teilzeit gibt es kaum

Fünf Studienorte schließen Teilzeit auf ihren Seiten ausdrücklich aus – die Jade Hochschule („kein Teilzeitstudium“), die OTH Regensburg („kein Teilzeitstudium“), die TU Dresden („keine Teilzeit“), die Universität Mainz („nur Vollzeit“) und die htw saar („nicht in Teilzeit“). Die übrigen beschreiben ihr Studium als Vollzeitstudium oder machen keine Angabe.

Eigene Angebote gibt es nur für Hebammen, die schon nach altem Recht ausgebildet sind: berufsbegleitend etwa an der HAWK in Göttingen und der Hochschule Bremen, verkürzt auf fünf Semester an der KSH München. Für den Einstieg in den Beruf helfen sie nicht.

Nach dem Studium sieht es anders aus. Von den 11.447 angestellten Hebammen in Krankenhäusern arbeiteten Ende 2024 74,6 Prozent in Teilzeit (Destatis).

Lohnt sich das mit 40?

Die Rechnung ist einfach. Bei sieben Semestern Regelstudienzeit ist, wer mit 40 im Oktober anfängt, beim Abschluss 43 oder 44. Danach liegt der Einstieg im TVöD in Entgeltgruppe P 11 Stufe 2 bei 4.419,71 € brutto (seit 01.05.2026); der Median aller Vollzeit-Hebammen liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 4.846 €. Wie sich das Gehalt entwickelt, erklärt Hebamme Gehalt.

Der schwierigste Schritt kommt vorher. An 31 von 47 Studiengängen bewirbst Du Dich zuerst bei einer Klinik, meist zwischen Januar und März, also sieben bis zwölf Monate vor Studienbeginn. Wer im Wintersemester 2027/28 starten will, sollte sich die Bewerbung jetzt ansehen.

Quellen

Häufige Fragen

Nein. Das Hebammengesetz nennt für das Studium und für die spätere Berufserlaubnis kein Mindest- oder Höchstalter. Verlangt werden ein Schul- oder Pflegeabschluss, Zuverlässigkeit, gesundheitliche Eignung und Deutschkenntnisse. Die frühere Fachschulausbildung kann seit Ende 2022 nicht mehr begonnen werden, auch Ältere gehen deshalb ins duale Studium.
Nein. Das Hebammengesetz und die Studien- und Prüfungsverordnung sehen keine Verkürzung für Pflegefachkräfte vor. Die Pflegeausbildung öffnet Dir den Zugang ohne Abitur, das Studium dauert aber auch dann mindestens sechs Semester.
Als Einstieg in den Beruf nicht. Berufsbegleitende Bachelorstudiengänge richten sich an Hebammen, die schon nach altem Recht an einer Hebammenschule ausgebildet wurden. Wer neu anfängt, studiert dual in Vollzeit mit Vertrag bei einer Klinik.
In der Regel bleibt wenig oder nichts übrig. Das BAföG rechnet die Vergütung aus einem Ausbildungsverhältnis voll an, und die tariflichen Studienvergütungen liegen deutlich über dem BAföG-Bedarf für Studierende. Verbindlich entscheidet das BAföG-Amt im Einzelfall.

Redaktion hebamme-studium.de

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