Hebamme Ausbildung oder Studium: Altausbildung bis 2027

Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Flur einer alten Hebammenschule

Hebamme Ausbildung oder Studium: Neu anfangen kannst Du nur noch das Studium, eine laufende Altausbildung darfst Du aber zu Ende bringen. Wer vor dem 31.12.2022 an einer Hebammenschule begonnen hat, muss bis 31.12.2027 fertig sein (§ 77 HebG). Die Erlaubnis daraus gilt wie eine nach neuem Recht. Im Schuljahr 2024/25 lernten bundesweit noch 125 Menschen nach altem Recht.

Dieser Beitrag richtet sich an alle, die in einer solchen Ausbildung stecken oder sie schon abgeschlossen haben. Warum Neueinsteiger nur noch studieren können, erklärt der Beitrag zur Hebammenausbildung.

Wer heute noch nach altem Recht lernt

Das Hebammengesetz von 2019 hat die Fachschulausbildung nicht sofort beendet. Eine Ausbildung „zur Hebamme oder zum Entbindungspfleger“, die vor dem 31. Dezember 2022 begonnen wurde, kann nach dem bis Ende 2019 geltenden Gesetz abgeschlossen werden, und zwar bis zum 31. Dezember 2027 (§ 77 Abs. 1 HebG). Für Modellvorhaben nach altem Recht gelten dieselben Daten (§ 78 HebG). Geprüft wird nach der alten Ausbildungs- und Prüfungsverordnung; § 57 HebStPrV ergänzt sie nur in Details, etwa damit seit Oktober 2023 jede Aufsichtsarbeit von zwei Fachprüfern benotet wird.

Wie klein die Gruppe geworden ist, zeigt die Schulstatistik des Statistischen Bundesamts. Sie führt Hebammenschulen als Schulen des Gesundheitswesens:

Land Auszubildende im Schuljahr 2024/25 Abschlüsse im Jahr 2024
Baden-Württemberg 12 87
Bayern 15 90
Berlin 2 41
Brandenburg 28 16
Niedersachsen 18 28
Nordrhein-Westfalen keine erfasst 30
Rheinland-Pfalz 50 55
Sachsen keine erfasst 1
Deutschland 125 348

Im ersten Ausbildungsjahr saß 2024/25 niemand mehr – ein Neubeginn ist seit 2023 ausgeschlossen. Unter den 125 Auszubildenden war ein Mann.

Abschluss bis 31.12.2027: eine harte Grenze

Das Datum hat keine Ausnahme. Eine Verlängerung wegen Krankheit, Elternzeit oder einer Wiederholungsprüfung über den 31.12.2027 hinaus sieht § 77 HebG nicht vor. Am selben Tag endet die staatliche Anerkennung der Hebammenschulen für die Ausbildung (§ 79 Nr. 1 HebG). Wer unterbrochen hat oder eine Prüfung wiederholen muss, legt den letzten möglichen Prüfungstermin deshalb am besten jetzt mit der Schule fest.

Reicht die Zeit nicht, bleibt nur das Studium – mit allen Voraussetzungen, die auch Neueinsteiger erfüllen müssen. Hebammengesetz und Studien- und Prüfungsverordnung kennen keine Regel, die eine nicht abgeschlossene Fachschulausbildung auf das Studium anrechnet. Die einzige Anrechnungsvorschrift betrifft Praxiseinsätze im Ausland bis 480 Stunden (§ 7a HebStPrV), und kürzer als sechs Semester darf das Studium nicht sein (§ 11 Abs. 1 HebG).

Dazu kommt der Zugang. Für die Altausbildung genügte eine zehnjährige Schulausbildung, für das Studium verlangt § 10 HebG zwölf Schuljahre oder eine abgeschlossene Ausbildung in der Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege oder als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Was Du sonst brauchst, steht bei den Voraussetzungen fürs Hebammenstudium.

Was Deine Erlaubnis aus der Altausbildung wert ist

Nach bestandener Prüfung erhältst Du auf Antrag die Erlaubnis nach dem alten Gesetz. Sie „gilt als Erlaubnis nach § 5“ des neuen Hebammengesetzes (§ 77 Abs. 1 Satz 3 HebG). Berufsrechtlich darfst Du damit alles, was eine studierte Hebamme darf, auch die Geburtshilfe, die außer Ärzten nur Hebammen erlaubt ist (§ 4 HebG). Für die freiberufliche Arbeit gelten dieselben Schritte wie für Absolventen des Studiums; sie stehen im Beitrag Freiberufliche Hebamme werden.

Eine Einschränkung betrifft nur die Arbeit im EU-Ausland. Wer die Ausbildung nach dem 18. Januar 2020 ohne mindestens zwölfjährige allgemeine Schulbildung begonnen hat, erhält eine Urkunde mit dem Hinweis, dass die Qualifikation nicht automatisch nach Art. 21 Abs. 3 der Richtlinie 2005/36/EG anerkannt wird (§ 57 Abs. 8 und Anlage 6a HebStPrV). Die Urkunde dieses Musters lautet auf „Hebamme/Entbindungspfleger“. Ein Mann, der nach altem Recht abschließt, kann die Erlaubnis später auf Antrag in eine mit der Bezeichnung „Hebamme“ umtauschen (§ 74 Abs. 2 HebG); mehr dazu im Beitrag Entbindungspfleger.

Auch die Ausbildung des Nachwuchses steht Dir offen. Praxisanleiterin im Studium wird nach § 10 HebStPrV, wer die Erlaubnis als Hebamme oder Entbindungspfleger hat, mindestens zwei Jahre im jeweiligen Einsatzbereich gearbeitet hat und eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden mitbringt. Einen Bachelor verlangt die Vorschrift nicht.

Hebamme mit Ausbildung oder Studium: der Unterschied im Tarif

Beim Gehalt zählt der Abschluss. Der TVöD für kommunale Krankenhäuser führt „Hebammen mit abgeschlossener Hochschulbildung und entsprechender Tätigkeit“ seit dem 1. Januar 2025 in P 11 (Fallgruppe 1). Hebammen „mit mindestens dreijähriger Ausbildung“ stehen in P 8 (Fallgruppe 3). In Stufe 2 liegen seit dem 01.05.2026 genau 718,50 € Tabellenentgelt im Monat dazwischen: 4.419,71 € gegen 3.701,21 €.

Ohne Studium führt ein zweiter Weg nach oben. P 11 Fallgruppe 2 erfasst Hebammen aus P 8, die „aufgrund gleichwertiger Fähigkeiten und ihrer Erfahrungen“ die Tätigkeiten der Fallgruppe 1 ausüben. Die Caritas hat dieselbe Regel in ihre Arbeitsvertragsrichtlinien übernommen (P 11 ab 01.01.2025, Fallgruppe 2 ab 01.07.2025). An Unikliniken der Länder macht der Abschluss dagegen keinen Unterschied – der TV-L kennt für Hebammen nur die Entgeltgruppe KR 8, ein eigenes Merkmal für den Bachelor fehlt.

Monatsentgelt beim Berufseinstieg nach Tarif (Vollzeit, brutto)
Tarif und GruppeStufe 2Stufe 3Stufe 4Stufe 5Stufe 6gültig ab
TVöD VKA P 114.419,71 €4.557,30 €4.901,27 €5.129,69 €5.233,54 €01.05.2026
TVöD VKA P 83.701,21 €3.862,80 €4.075,58 €4.247,92 €4.488,98 €01.05.2026
TV-L KR 83.668,95 €3.837,08 €4.052,74 €4.226,92 €4.468,47 €01.04.2026

Tabellenentgelt; Einstieg in der Regel in Stufe 2. Im TVöD kommen für P 5 bis P 16 monatlich 25 € (nicht dynamische Zulage) und 141,82 € (Pflegezulage) hinzu (§ 52 Abs. 5 und 6 BT-K). Alle Zulagen und die Jahressonderzahlung rechnet der Gehaltsrechner.

Was die Entgeltgruppen in Euro bedeuten und wie Du die Stufen hochkommst, erklärt der Beitrag zum Gehalt nach TVöD; Dein eigenes Netto rechnet der Gehaltsrechner aus.

Hebammenschulen als Partner der Hochschulen bis 2030

Ausbilden dürfen die Hebammenschulen nur noch bis Ende 2027. Bis zum 31. Dezember 2030 bleiben sie für eine zweite Aufgabe anerkannt (§ 79 Nr. 2 HebG): Eine Hochschule darf die praktischen Lehrveranstaltungen ihres Studiums und die Praxisbegleitung von einer Hebammenschule durchführen lassen (§ 75 Abs. 1 HebG). Dafür schließt sie eine Kooperationsvereinbarung und trägt weiter die Verantwortung dafür, dass das Studienziel erreicht wird (§ 75 Abs. 2 HebG).

Praxisbegleitung heißt: Studierende während der Praxiseinsätze fachlich betreuen und beurteilen und die Praxisanleitung unterstützen (§ 17 HebG). Prüfen und den akademischen Grad verleihen bleibt Sache der Hochschule (§§ 23, 24 HebG). Eine Frist nach 2030 gibt es nicht; danach endet diese Form der Zusammenarbeit.

Für Lehrkräfte an Hebammenschulen hat das eine Folge. Wer an einer Hochschule im Hebammenstudium lehrt, braucht nach § 20 HebG mindestens den akademischen Grad, mit dem das Hebammenstudium abschließt. Mit einer Fachschulausbildung allein erfüllst Du diese Voraussetzung nicht.

Bachelor nachholen: Wer es für examinierte Hebammen anbietet

Pflicht ist der Bachelor nicht – er lohnt sich, wenn Du in P 11 Fallgruppe 1 willst, an einer Hochschule lehren möchtest oder später einen Master in Hebammenwissenschaft anstrebst. Mehrere Hochschulen haben eigene Wege für examinierte Hebammen, Stand 19.10.2026:

Hochschule Angebot
Katholische Stiftungshochschule München Hebammenkunde B.Sc. in fünf statt sieben Semestern, fünf zusätzliche Studienplätze
Evangelische Hochschule Berlin Einstieg ins 4. Semester zum Sommersemester, Bewerbung bis 15.12. des Vorjahres
Jade Hochschule Oldenburg seit dem Wintersemester 2022/23, reduzierte Module, ohne Praxisvertrag und Vorpraktikum
HAWK, Studienort Göttingen ab dem Wintersemester 2026/27, berufsbegleitend, reduzierte Module
Hochschule Osnabrück Midwifery B.Sc., berufsbegleitend, für fachschulisch ausgebildete Hebammen
Hochschule Bremen ab dem Wintersemester 2026/27 berufsbegleitende Variante für altrechtlich Ausgebildete, 10 Plätze vorbehaltlich Genehmigung

Die private Fachhochschule des Mittelstands bietet ein Aufbaustudium für examinierte Hebammen an und nennt auf ihrer Studiengangsseite Gebühren ab 545 € im Monat. An der htw saar fällt ein früheres Angebot weg: Die Anlage zur Prüfungsordnung für den weiterqualifizierenden Studiengang wurde mit Wirkung vom 1. Juli 2026 aufgehoben.

Die Angebote unterscheiden sich stark in Dauer, Präsenz und Kosten. Einzelheiten zu den Wegen, Zugangsvoraussetzungen und Fristen stehen im Beitrag zum Studium für examinierte Hebammen; die Studienorte selbst findest Du in der Übersicht aller Hochschulen, etwa die KSH München.

Quellen

Häufige Fragen

Nein. § 77 Abs. 1 HebG erlaubt den Abschluss nach altem Recht nur bis zum 31. Dezember 2027, eine Ausnahme nennt das Gesetz nicht. Wer bis dahin nicht fertig ist, kann nur noch das duale Studium beginnen, und zwar mit mindestens sechs Semestern.
Nein. Die Erlaubnis aus der Altausbildung gilt als Erlaubnis nach dem neuen Hebammengesetz (§ 77 Abs. 1 Satz 3 HebG), Du darfst damit ohne Einschränkung arbeiten. Der Bachelor bringt Vorteile beim Tarif, beim Zugang zum Master und für die Lehre an Hochschulen.
Ja. Praxisanleiterin wird nach § 10 HebStPrV, wer die Erlaubnis als Hebamme oder Entbindungspfleger hat, mindestens zwei Jahre im jeweiligen Einsatzbereich gearbeitet hat, eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden mitbringt und sich jährlich mindestens 24 Stunden fortbildet. Ein Hochschulabschluss gehört nicht zu den Voraussetzungen.
Die Ausbildung lief an einer Hebammenschule und endete mit der staatlichen Prüfung, Zugang war eine zehnjährige Schulausbildung. Das Studium verbindet Hochschule und Klinik, dauert sechs bis acht Semester und verlangt zwölf Schuljahre oder eine Pflegeausbildung. Am Ende stehen ein akademischer Grad und die staatliche Prüfung, berufsrechtlich ist die Erlaubnis in beiden Fällen gleich viel wert.
Als staatlich anerkannte Hebammenschulen nach dem Hebammengesetz nicht. § 79 HebG lässt ihre Anerkennung für die Ausbildung Ende 2027 und für die Zusammenarbeit mit Hochschulen Ende 2030 auslaufen; eine spätere Frist enthält das Gesetz nicht.

Redaktion hebamme-studium.de

Die Redaktion von hebamme-studium.de pflegt die Studienort-Datenbank, die Fristen und die Ratgeber. Jede Angabe hat eine Quelle und ein Prüfdatum; Korrekturen stehen im Änderungsprotokoll.

So arbeiten wir · Fehler melden