Ist Hebamme ein Beruf mit Zukunft? Die Zahlen 2026

Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Leeres Krankenzimmer im Licht der Morgensonne

Ist Hebamme ein Beruf mit Zukunft? Die Zahlen zeigen zwei Seiten: 2025 kamen in Deutschland 654.241 Kinder zur Welt, so wenige wie nie seit Kriegsende. Zugleich arbeiteten 2024 rund 12.900 Hebammen in Krankenhäusern, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr, und die Geburtshilfe bleibt per Gesetz Hebammen und Ärzten vorbehalten. Eine Prognose geben die Daten nicht her.

Geburten: der niedrigste Stand seit 1946

Die Nachfrage nach Hebammen hängt an den Geburten. Jede Geburt braucht eine Hebamme, denn Ärzte müssen nach § 4 Abs. 3 Hebammengesetz dafür sorgen, dass „bei einer Geburt eine Hebamme zugezogen wird“. Genau diese Zahl sinkt seit vier Jahren.

Jahr Geborene in Deutschland Quelle
2021 rund 795.000 Destatis, PM 146/2026
2024 677.117 Destatis, PM 146/2026
2025 654.241 (endgültig) Destatis, PM 230/2026

2025 waren das rund 140.000 Geburten weniger als 2021. Laut Statistischem Bundesamt sank die Geburtenzahl 2025 im vierten Jahr in Folge und erreichte den niedrigsten Stand seit 1946. Die Geburtenziffer lag bei 1,32 Kindern je Frau.

Destatis nennt zwei Ursachen. Die zahlenmäßig kleinen Geburtsjahrgänge der 1990er-Jahre sind in das für Geburten wichtige Alter von Anfang 30 gekommen. Und die zusammengefasste Geburtenziffer sinkt seit 2022.

Wie es weitergeht, beantwortet das Amt nur unter Bedingungen. Nach der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wäre ein Anstieg nur bei deutlich steigender Geburtenziffer und mindestens moderater Zuwanderung möglich. Selbst dann bliebe die Zahl „voraussichtlich unter dem vergleichsweise hohen Niveau des Jahres 2021“.

Hebammen in Kliniken: mehr Köpfe, viel Teilzeit

Weniger Geburten haben 2024 nicht zu weniger Klinik-Hebammen geführt – im Gegenteil. Destatis zählte rund 12.900 Hebammen, die in Krankenhäusern Geburtshilfe leisteten, nach rund 12.500 im Jahr davor. Davon waren 88,9 Prozent fest angestellt und 11,1 Prozent Belegkräfte.

Genauer sind die Grunddaten der Krankenhäuser zum 31.12.2024: 11.447 angestellte Hebammen in 556 Krankenhäusern und 1.433 Beleghebammen in 121 Häusern. Die Kopfzahl sagt allerdings wenig über die Arbeitszeit. 8.541 der angestellten Hebammen arbeiteten in Teilzeit, das sind 74,6 Prozent.

Der GKV-Spitzenverband beobachtet eine Verschiebung zwischen den Arbeitsformen. Einige Beleghebammen wechseln in ein Angestelltenverhältnis; der Verband vermutet als Grund die deutlichen Tarifsteigerungen. Wie die Arbeitsformen sich unterscheiden, beschreibt der Artikel Hebamme Beruf.

Freiberufliche Hebammen: seit Jahren um 18.000

Die Zahl der Hebammen, die freiberuflich mit den Krankenkassen abrechnen dürfen, schwankt seit 2018 in einem engen Band.

Stand Oktober Freiberufliche Hebammen (GKV-Vertragspartnerliste)
2018 18.425
2019 17.805
2020 18.335
2021 18.118
2022 18.326
2023 18.652
2024 18.816
2025 18.687

Zwei Einschränkungen gehören zu dieser Reihe. Seit Mitte 2019 bereinigt der GKV-Spitzenverband die Liste um Doppeleinträge und sogenannte Karteileichen – die Jahre sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar. Und nur etwa ein Viertel der freiberuflichen Hebammen bietet überhaupt Geburtshilfe an.

Der Verband deutet die Entwicklung so: Nach der Reform von 2020 haben viele neue Hebammen freiberuflich angefangen, inzwischen sei der Anstieg gebremst, möglicherweise wegen der seit 2021 sinkenden Geburtenzahl. Für Hausbesuche zahlen die Kassen seit 01.11.2025 hochgerechnet 74,28 € je Stunde statt vorher 60,37 €; dieser Satz ist bis 31.12.2027 festgesetzt. Was das für den Verdienst bedeutet, erklärt Was verdient eine freiberufliche Hebamme?.

Nachwuchs: 6.457 Studierende

Im Wintersemester 2025/26 studierten 6.457 Menschen Hebammenwissenschaft, 1.643 davon im ersten Fachsemester und 1.115 im ersten Hochschulsemester. 71 der Studierenden waren Männer. Im Bericht für das Wintersemester davor war das Fach noch nicht gesondert ausgewiesen; eine Zeitreihe lässt sich daraus nicht bilden.

Die Krankenhausstatistik zählt 250 Krankenhäuser mit Ausbildungsplätzen für Hebammen (2024). An der Nachfrage nach Studienplätzen zeigt sich ein gemischtes Bild:

Studienort Belegte Angabe Stand
Charité Berlin 358, 259, 363 und 401 Bewerbungen auf 62 bis 63 Plätze WiSe 2022 bis WiSe 2025
Frankfurt UAS mit Goethe-Universität 233 Bewerber auf 53 Anfänger, im Jahr darauf 112 auf 53 (Mehrfachbewerbungen doppelt gezählt) WiSe 2023/24 und 2024/25
TU Dresden 50 Bewerbungen auf 30 Plätze, alle geeigneten zugelassen WS 2026/27
Evangelische Hochschule Berlin 45 bis 49 Anfängerplätze je Jahr bei einer rechnerischen Aufnahmekapazität von 55 bis 60, begrenzt durch die Praxisplätze WS 2021/22 bis 2025/26

Der Berliner Senat hat angekündigt, die Charité auf künftig 30 Anfängerplätze zu verkleinern – vorbehaltlich des Haushalts und ausdrücklich begründet mit „ungenutzte[n] Studienplatzkapazitäten an der EHB“.

Die sinkenden Geburten treffen auch das Studium selbst. Der Bundesrat schrieb im Gesetzgebungsverfahren: „Die Sicherstellung der Praxiseinsätze im Rahmen dieses Studiums wird zunehmend schwerer. Ursache dafür ist u. a., dass die Anzahl der Geburten sinkt.“ Ab 01.11.2026 darf deshalb mit Genehmigung der Behörde „ein geringer Anteil der Praxiseinsätze“ durch praktische Lerneinheiten ersetzt werden. Was das heißt, steht im Artikel Skills Lab im Hebammenstudium.

Gehalt: Der Hochschulabschluss zahlt sich aus

Für die Frage nach der Zukunft zählt auch die Bezahlung. Seit 01.01.2025 gibt es im TVöD für kommunale Krankenhäuser eine eigene Entgeltgruppe für „Hebammen mit abgeschlossener Hochschulbildung“, die P 11. Hebammen aus der Fachschulausbildung sind in P 8 eingruppiert; in P 11 kommen sie über eine zweite Fallgruppe, wenn sie aufgrund gleichwertiger Fähigkeiten und Erfahrungen die entsprechenden Tätigkeiten ausüben.

Monatsentgelt beim Berufseinstieg nach Tarif (Vollzeit, brutto)
Tarif und GruppeStufe 2Stufe 3Stufe 4Stufe 5Stufe 6gültig ab
TVöD VKA P 114.419,71 €4.557,30 €4.901,27 €5.129,69 €5.233,54 €01.05.2026
TVöD VKA P 83.701,21 €3.862,80 €4.075,58 €4.247,92 €4.488,98 €01.05.2026
TV-L KR 83.668,95 €3.837,08 €4.052,74 €4.226,92 €4.468,47 €01.04.2026

Tabellenentgelt; Einstieg in der Regel in Stufe 2. Im TVöD kommen für P 5 bis P 16 monatlich 25 € (nicht dynamische Zulage) und 141,82 € (Pflegezulage) hinzu (§ 52 Abs. 5 und 6 BT-K). Alle Zulagen und die Jahressonderzahlung rechnet der Gehaltsrechner.

In Stufe 2, der Einstiegsstufe, sind das seit 01.05.2026 4.419,71 € in P 11 gegenüber 3.701,21 € in P 8. Der Median aller Vollzeit-Hebammen liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 4.846 € im Monat. Einzelheiten stehen unter Hebamme Gehalt und Gehalt nach TVöD.

Was sich aus den Zahlen ableiten lässt und was nicht

Ableiten lässt sich einiges. Der Kern des Berufs ist rechtlich geschützt: Geburtshilfe dürfen außer Ärzten nur Hebammen leisten, und bei jeder Geburt muss eine Hebamme dabei sein. Daran ändert keine Geburtenstatistik etwas. Die Arbeit hängt aber an den Geburten, und die lagen 2025 um rund 140.000 unter dem Wert von 2021. Trotzdem ist die Zahl der Hebammen in Kliniken 2024 gestiegen, die der freiberuflichen lag 2025 mit 18.687 etwa auf dem Stand von 2023. Der Beruf ist breiter als der Kreißsaal; drei Viertel der Freiberuflichen arbeiten ohne Geburtshilfe.

Nicht ableiten lässt sich, ob es in zehn Jahren zu viele oder zu wenige Hebammen geben wird. Dafür fehlen in den amtlichen Zahlen dieses Artikels wichtige Bausteine – eine Altersstruktur aller Hebammen, offene Stellen nach Region, Zahlen zu Arbeitslosigkeit und eine Bedarfsrechnung. Auch die Bewerberzahlen taugen nicht als Trend; sie liegen nur für einzelne Standorte vor und zählen teils doppelt.

Die Bilanz fällt deshalb nüchtern aus. Wer den Beruf will, wählt eine Tätigkeit mit gesetzlich geschütztem Kern, einem akademischen Abschluss, der im Tarif höher eingruppiert ist, und mehreren Arbeitsformen. Wie viele Stellen es künftig in Deiner Region gibt, sagt Dir heute keine Statistik. Wie der Einstieg funktioniert, zeigen Hebamme studieren und der Artikel zur Bewerbung bei Klinik und Hochschule.

Quellen

Häufige Fragen

Eine amtliche Bedarfsrechnung, die das beantwortet, gibt es nicht. Belegt ist, dass die Zahl der Hebammen in Krankenhäusern 2024 um 3,3 Prozent gestiegen ist, während die Geburten seit 2021 sinken. Regional kann die Lage anders aussehen; dafür fehlen frei zugängliche Daten.
In kommunalen Krankenhäusern gilt der TVöD, Hebammen mit Hochschulabschluss steigen in Entgeltgruppe P 11 Stufe 2 mit 4.419,71 € brutto im Monat ein (seit 01.05.2026). Der Median aller Vollzeit-Hebammen liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 4.846 €.
Das Statistische Bundesamt nennt zwei Gründe: Die zahlenmäßig kleinen Jahrgänge der 1990er-Jahre sind jetzt im für Geburten wichtigen Alter von Anfang 30, und die Geburtenziffer sinkt seit 2022. 2025 lag sie bei 1,32 Kindern je Frau.
Nein. Viele arbeiten freiberuflich in Vorsorge und Wochenbettbetreuung; nach Angaben des GKV-Spitzenverbands bieten etwa drei Viertel der freiberuflichen Hebammen keine Geburtshilfe an. Andere arbeiten angestellt in Krankenhäusern oder als Beleghebamme.

Redaktion hebamme-studium.de

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