Wie schwer ist das Hebammenstudium? Stunden und Prüfungen
Von der RedaktionAktualisiert am 25. Oktober 20266 Min. Lesezeit

Wie schwer ist das Hebammenstudium? Vor allem ist es voll: Das Gesetz verlangt mindestens 4.600 Stunden in sechs bis acht Semestern, die Hochschulen planen 30 Leistungspunkte pro Semester. Semesterferien gibt es nicht, in der Praxis arbeitest Du im Schichtdienst, und am Ende steht eine staatliche Prüfung in drei Teilen.
Wie hart sich das anfühlt, kann niemand für Dich vorhersagen. Messen lässt sich, was verlangt wird: Stunden, Dienstzeiten, Nachweise und Prüfungen. Die Zahlen unten stammen aus Gesetz, Studien- und Prüfungsverordnung, Tarifvertrag und den Angaben der Hochschulen.
Wie schwer ist das Hebammenstudium laut Stundenplan?
Die Untergrenze steht in § 11 Abs. 3 HebG: mindestens 4.600 Stunden, davon mindestens 2.200 in der Praxis und 2.200 an der Hochschule. Das Gesetz beschreibt das Studium ausdrücklich als Vollzeitstudium von sechs bis acht Semestern (§ 11 Abs. 1 HebG). Die meisten Studiengänge setzen deutlich mehr an. Wie die Hochschulen den Aufwand beziffern, zeigt die Tabelle (Stand der Angaben jeweils Oktober 2026):
| Studienort | Angabe der Hochschule oder Klinik |
|---|---|
| Frankfurt UAS mit Goethe-Universität | 8 Semester, Gesamtworkload 7.200 Stunden, davon 2.720 Stunden Praxis |
| Hochschule Bremen | 8 Semester, 240 ECTS (30 pro Semester), 2.340 Praxisstunden |
| OTH Regensburg | Workload 30 Credit Points pro Semester, 2.400 Praxisstunden |
| TU Dresden | Vollzeit mit 40 Stunden pro Woche, 30 Leistungspunkte pro Semester |
| Medizinische Universität Lausitz | 39 Stunden pro Woche in der Praxis |
Rechnet man die Frankfurter Zahl herunter, kommen auf jedes der acht Semester 900 Stunden Arbeit – das Selbststudium eingeschlossen, also Vor- und Nachbereitung und Prüfungsvorbereitung. Ein Semester mit 30 Leistungspunkten entspricht damit ungefähr einer Vollzeitstelle, auch in den Wochen an der Hochschule.
Wie lange das Studium an Deinem Wunschort dauert und warum einige Studiengänge acht Semester haben, steht im Artikel zur Dauer des Hebammenstudiums.
Keine Semesterferien: Urlaub statt vorlesungsfreier Zeit
Wer an andere Studiengänge denkt, rechnet mit langen Pausen zwischen den Semestern. Im Hebammenstudium gibt es sie nicht. Die TU Dresden schreibt es so: Im dualen Studium hast Du keine Semesterferien, sondern einen Urlaubsanspruch, den Du in den Praxisphasen nimmst.
Der Tarifvertrag für Hebammenstudierende an kommunalen Kliniken (TVHöD) legt 30 Ausbildungstage Urlaub im Jahr fest, bei einer Fünftagewoche. Genommen wird er in der vorlesungsfreien Zeit; wer im Schichtdienst arbeitet, bekommt ab dem zweiten Studienjahr einen Tag mehr (§ 12 TVHöD). Die übrige vorlesungsfreie Zeit verbringst Du in der Klinik oder bei einer freiberuflichen Hebamme.
Theorie und Praxis wechseln in Blöcken. An der TU Dresden dauert ein Block etwa fünf bis sechs Wochen, sodass Du nicht am selben Tag zwischen Hochschule und Klinik pendeln musst. Andere Studiengänge verteilen die Einsätze anders; jedes Semester hat aber beides, Lehre und Praxis.
Schichtdienst neben dem Studium
In der Praxis gilt für Dich die Arbeitszeit der Beschäftigten Deiner Klinik. Der TVHöD erlaubt ausdrücklich, Studierende auch nachts, sonntags und an Feiertagen auszubilden (§ 8 Abs. 2 und 4 TVHöD). Die OTH Regensburg sagt das ohne Umschweife: Die Dienstzeiten sind nicht frei wählbar, die Praxiszeit wird im Schichtdienst mit Nachtschichten, Wochenenden und Feiertagen abgeleistet.
Dazu kommen die Hochschultage. In Bremen finden die Lehrveranstaltungen zwischen 8 und 17.30 Uhr statt. Die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen schreibt, das duale Vollzeitstudium mit Schichtdiensten erfordere eine gute Organisation und ein verlässliches persönliches Netzwerk.
Unterschätzt wird oft der Weg. Die Universität Münster setzt Mobilität im Umkreis von bis zu etwa 50 Kilometern voraus und weist darauf hin, dass Du die Einsatzorte wegen der Schicht- und Wochenenddienste nicht ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen wirst. Welche Kliniken an Deinem Studienort beteiligt sind, zeigt der Klinik-Finder.
Was Du in der Praxis nachweisen musst
Stunden allein reichen nicht. Anlage 3 der Studien- und Prüfungsverordnung (HebStPrV) legt Mindesttätigkeiten fest. Darunter sind 100 vorgeburtliche Untersuchungen, die Überwachung von 40 Frauen während der Geburt, 40 Geburten, die Du selbst leitest, und die Versorgung von je 100 Wöchnerinnen und gesunden Neugeborenen. Im begründeten Ausnahmefall genügen 30 selbst geleitete Geburten, wenn Du an 20 weiteren teilnimmst.
Alles kommt in Deinen Tätigkeitsnachweis. Fehlt etwas, wirst Du zum praktischen Teil der staatlichen Prüfung nicht zugelassen (§ 18 Abs. 2 HebStPrV). Eine praxisanleitende Person muss Dich mindestens in einem Viertel der Einsatzstunden anleiten (§ 13 Abs. 2 HebG); die Länder dürfen diesen Anteil bis 2030 auf 15 Prozent senken.
Die Geburtenzahlen machen es nicht leichter. 2025 kamen in Deutschland 654.241 Kinder zur Welt, laut Statistischem Bundesamt der niedrigste Stand der Nachkriegszeit. Wie sich die Einsätze verteilen und was ab dem 1. November 2026 durch Lerneinheiten ersetzt werden darf, erklären die Artikel zur Praxis im Hebammenstudium und zum Skills Lab.
Prüfungen: jedes Semester und am Ende die staatliche Prüfung
Geprüft wird laufend. An der Hochschule Bremen schließt jedes der 23 Theorie- und 11 Praxismodule mit einer Modulprüfung ab, die TU Dresden zählt die Formen auf: Klausuren, mündliche Prüfungen, Referate, objektiv strukturierte klinische Prüfungen (OSCE) und wissenschaftliche Poster. Am Ende stehen die Bachelorarbeit und die staatliche Prüfung.
Die staatliche Prüfung liegt in den letzten beiden Semestern (§ 25 Abs. 1 HebG) und hat drei Teile:
| Teil | Inhalt | Regel |
|---|---|---|
| schriftlich | Klausuren, Schwerpunkt Kompetenzbereich I | jede Klausur mindestens „ausreichend“ |
| mündlich | Kompetenzbereiche IV, V und VI mit Bezug zu I | zwei Prüfende |
| praktisch | Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit | Gewichtung 20 / 60 / 20 Prozent |
Der Geburtsteil findet an der Hochschule statt, mit Modellen und Simulationspersonen (§ 29 Abs. 2 HebStPrV). Er dauert ohne Vorbereitungszeit bis zu 360 Minuten (§ 31 Abs. 2 HebStPrV). Jede Klausur, der mündliche Teil und jeder praktische Prüfungsteil dürfen einmal wiederholt werden; den praktischen Teil wiederholst Du erst nach einem zusätzlichen Praxiseinsatz (§ 36 HebStPrV). Einzelheiten zu Ablauf und Noten stehen im Artikel zur staatlichen Prüfung.
Was über Abbrüche bekannt ist
Belastbare Zahlen gibt es nur vereinzelt. Für Berlin hat der Senat im Oktober 2025 Auskunft gegeben: Zum Wintersemester 2021/22 standen an der Charité 63 und an der Evangelischen Hochschule Berlin 46 Anfängerplätze bereit. Aus dieser ersten Kohorte hatten bis dahin 48 Studierende an der Charité und 40 an der EHB abgeschlossen.
Eine Abbruchquote ist das nicht – die Antwort nennt Plätze, keine tatsächlich Immatrikulierten, und sie sagt nichts über Studierende, die verlängert, gewechselt oder pausiert haben. Gründe für einen Abbruch nennt sie nicht. Was rechtlich passiert, wenn Du aufhören oder die Klinik wechseln willst, steht im Artikel Hebammenstudium abbrechen.
Für wen es schwerer wird
Drei Gruppen sollten genauer rechnen. Wer aus der Pflege kommt, bringt Praxiserfahrung mit, bekommt aber keine Stunden erlassen. Hebammengesetz und HebStPrV kennen keine Anrechnung und keine Verkürzung für Pflegekräfte. Mehr dazu im Artikel zum Quereinstieg aus der Pflege.
Eltern trifft der Schichtdienst am stärksten. Die OTH Regensburg antwortet auf die Frage einer Mutter von Kleinkindern, dass sich Vorlesungs- und Arbeitszeiten nicht aussuchen lassen, weil Theorie und Praxis aufeinander aufbauen. Ein Teilzeitstudium bieten die meisten Hochschulen nicht an; was es dazu gibt, steht unter Hebamme Studium in Teilzeit.
Wer kein Auto hat, sollte sich die Einsatzorte seines Studiengangs vor der Bewerbung ansehen – und dabei an den Weg zum Nachtdienst denken.
Am besten testest Du die Belastung vorher. Ein Vorpraktikum im Kreißsaal, das viele Studienorte ohnehin verlangen, zeigt Dir den Schichtalltag, bevor Du einen Vertrag unterschreibst.
Quellen
- § 11 HebG, Dauer und Struktur des Studiums (abgerufen 24.10.2026): Vollzeit, sechs bis acht Semester, mindestens 4.600 Stunden
- § 13 HebG, Praxiseinsätze (abgerufen 19.10.2026): Praxisanleitung mindestens 25 Prozent
- § 25 HebG, Durchführung der staatlichen Prüfung (abgerufen 24.10.2026): Prüfung in den letzten beiden Semestern
- § 28 HebG, Inhalt des Vertrags (abgerufen 19.10.2026): regelmäßige Ausbildungszeit als Pflichtangabe
- § 37 HebG, Ende des Vertragsverhältnisses (abgerufen 19.10.2026): Verlängerung höchstens um ein Jahr
- § 18 HebStPrV, Zulassung zur staatlichen Prüfung (abgerufen 19.10.2026): Tätigkeitsnachweis als Voraussetzung für den praktischen Teil
- § 29 HebStPrV und § 31 HebStPrV (abgerufen 19.10.2026): Geburtsteil an der Hochschule mit Simulation, bis zu 360 Minuten
- § 33 HebStPrV und § 36 HebStPrV (abgerufen 24.10.2026): Gewichtung 20/60/20, einmalige Wiederholung, zusätzlicher Praxiseinsatz
- §§ 21 bis 27 HebStPrV (abgerufen 19.10.2026): Inhalte des schriftlichen und mündlichen Teils
- Anlage 3 HebStPrV (abgerufen 19.10.2026): Mindesttätigkeiten
- TVHöD, Lesefassung Stand 01.07.2025 (abgerufen 24.10.2026): Nebentätigkeit (§ 6 Abs. 2), Studienzeit, Nacht- und Sonntagsausbildung (§ 8), 30 Tage Urlaub in der vorlesungsfreien Zeit (§ 12)
- Frankfurt UAS, Hebammenwissenschaft für Studieninteressierte (abgerufen 19.10.2026): 8 Semester, Gesamtworkload 7.200 Stunden, 2.720 Stunden Praxis
- Hochschule Bremen, Internationaler Studiengang Hebammen (abgerufen 24.10.2026): 240 ECTS, 30 pro Semester, 2.340 Praxisstunden, 23 Theorie- und 11 Praxismodule mit Modulprüfung, Lehrveranstaltungen 8 bis 17.30 Uhr, Schichtdienst
- OTH Regensburg, FAQ Bachelor Hebammenkunde (PDF, Stand 13.10.2025) (abgerufen 24.10.2026): 30 Credit Points pro Semester, 2.400 Praxisstunden, Schichtdienst, keine freie Zeitwahl, Präsenz
- TU Dresden, FAQ Zentrum für Hebammenwissenschaft (abgerufen 24.10.2026): 40 Stunden, 30 Leistungspunkte pro Semester, Prüfungsformen, Blöcke von fünf bis sechs Wochen, keine Semesterferien
- Medizinische Universität Lausitz, Akademie: Berufspraktischer Teil für das Studium Hebammenwissenschaft (abgerufen 19.10.2026): 39 Stunden pro Woche in der Praxis
- Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, Hebammenwissenschaft dual (abgerufen 24.10.2026): Organisation und Netzwerk bei Schichtdienst
- Universität Münster, Informationen zum Studiengang (abgerufen 24.10.2026): Mobilität im Umkreis von bis zu etwa 50 Kilometern
- Jade Hochschule, Hebammenwissenschaft dual (abgerufen 24.10.2026): Präsenzhochschule
- Universitätsmedizin Mainz, Informationen zum Studium (abgerufen 24.10.2026): Präsenz mit Anwesenheitspflicht
- Destatis, Pressemitteilung Nr. 230 vom 1. Juli 2026 (abgerufen 19.10.2026): 654.241 Geburten 2025
- Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/23902 vom 7. Oktober 2025 (abgerufen 24.10.2026): Anfängerplätze ab WS 2021/22, Abschlüsse der ersten Kohorte
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